Nach einer Vorstellung von "Die lustige Witwe" des Universitätslehrgangs Klassische Operette der Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien (MUK) am Theater in der Gumpendorfer Straße (TAG) sind inzwischen 24 Corona-Fälle bestätigt worden. An der Wiener Staatsoper mussten heute bereits zwei Umbesetzungen vorgenommen werden.

Wer wen wie angesteckt hat, gilt es noch genau zu klären. Der selbst nicht anwesende Staatsoperndirektor Bogdan Roscic, der in der Folge in seinem Haus personell umdisponieren musste, gab am Montag Berichte von Besuchern wieder, die "unter anderem von Tanzszenen im Zuschauerraum" gesprochen hätten, "also einer Vermischung zwischen Bühne und öffentlichem Bereich, die eigentlich undenkbar sein sollte". Falls diese Berichte wahr seien, "handelt es sich um eine schockierende Verantwortungslosigkeit", so Roscic. Auch unsere Kollegin, die nur als Publikumsmitglied mit Maske anwesend war, wurde zu spät verständigt, um sie sofort zu isolieren.

"Die lustige Witwe" im TAG musste abgesagt werden. - © www.muk.ac.at
"Die lustige Witwe" im TAG musste abgesagt werden. - © www.muk.ac.at

Ferdinand Urbach, kaufmännischer Leiter des TAG, wiederum stellte klar: "Es gibt keinen Theater-Cluster des TAG, sondern einen Proben-Cluster der Musikuni." Die Aufführung der "Lustigen Witwe" im TAG sei eine eingemietete Veranstaltung gewesen, erklärte er unter Verweis auf das strenge Präventionskonzept des Hauses. "Ich traue mich zu sagen, dass sämtliche Ansteckungen bei den Proben und nicht bei der Vorstellung passiert sind", sagte Urbach am Montagabend.

Am 6. September sei die erste Veranstaltung im TAG seit dem Corona-Shutdown im März gewesen, die hauseigenen Regeln sehen Testungen und Kontakttagebücher für Mitarbeiter, personalisierte Karten "im knallharten Schachbrettmuster", Verzicht auf Buffetbetrieb und Maskenpflicht für Besucher auch während der Vorstellung vor, seien also quasi eine freiwillige Orange-Schaltung der hauseigenen Corona-Ampel.

Sämtliche TAG-Mitarbeiter seien sowohl vor Aufnahme des Betriebs sowie nun im Zuge des festgestellten Clusters getestet worden - der einzige positive Fall betreffe einen Lichttechniker, der direkt in die Proben zur MUK-Produktion von "Die lustige Witwe" involviert gewesen sei, so Urbach. Er sei für die Einhaltung der Corona-Regeln im Zuschauerraum, nicht aber für die Bühnenvorgänge bei einer Fremdveranstaltung verantwortlich. Die von Staatsopern-Direktor Roscic kritisierten angeblichen "Tanzszenen im Zuschauerraum" seien aber lediglich ein Auftritt von drei Tänzerinnen durch den Zuschauerraum auf die Bühne gewesen und keine unter den Zuschauern gespielte Szene.

Corona-bedingte Umbesetzungen an der Staatsoper notwendig

Laut MUK-Pressesprecher Bernhard Mayer-Rohonczy wurde die Covid-19-Taskforce der MUK am 6. September darüber informiert, "dass bei den Beteiligten einer Operettenproduktion eine Person positiv auf Corona getestet wurde". Es seien sofort alle weiteren Vorstellungen gestoppt und die vorgeschriebenen Informationen an die zuständigen Behörden weitergeleitet worden. "Kontaktpersonen wurden, soweit bekannt, informiert, unter Quarantäne gestellt und getestet. Aktuell gibt es 24 Fälle, die alle auf dieses Cluster zurückzuführen sind." Alle Aktivitäten der betroffenen Studiengänge seien seit Auftreten der Fälle bis zum regulären Vorlesungsbeginn am 21. September eingestellt. "Des Weiteren wurden alle öffentlichen Veranstaltungen der Universität bis Ende September abgesagt."

Am Montagabend mussten infolge dieses Clusters an der Staatsoper zwei Umbesetzungen vorgenommen werden: Das Dirigat von "Elisir d'amore" übernimmt Evelino Pidò, die Rolle des Nemorino singt Javier Camarena. Beide Änderungen seien im Rahmen der Nachverfolgung aller Kontaktpersonen eines positiv getesteten Mitglieds des Opernstudios der Staatsoper notwendig geworden, hieß es dazu aus dem Haus am Ring. Diese Person hatte am 6. September als Zuseherin die Vorstellung im TAG besucht, bei der 61 Besucher anwesend gewesen sein sollen, und wurde in der Folge positiv getestet. "Sie befindet sich seitdem in Quarantäne. Schon vor der Verständigung durch die Behörde hatte diese Person allerdings an einer Ensembleprobe teilgenommen, wodurch es nun am Haus zu den weiteren Ansteckungen gekommen ist", hieß es in einer Stellungnahme der Staatsoper. "Die Staatsoper hat alle direkten und indirekten Kontakte der betroffenen Person sofort isoliert und unterzieht sie täglichen Testungen, um eine weitere Ausbreitung der Infektion am Haus zu unterbinden."

Im TAG wurden nach Bekanntwerden der Infektionen sofort alle Vorstellungen abgesagt. Ab morgen, Dienstag, wird nun wieder gespielt. Auf dem Programm steht ein Auftritt des Singer-Songwriters Bernhard Eder. Passender Titel seines Konzerts: "Reset".