Alzheimer gehört zu den bedrückenden Konsequenzen des Alterns. Obwohl seit über 100 Jahren bekannt, gibt es noch immer keine wirksame Therapie gegen den schleichenden Gedächtnisverlust. Kein Wunder, dass die monströse Krankheit in einer zunehmend alternden Gesellschaft in die Literatur einsickert (Arno Geigers "Der alte König in seinem Exil", 2011), zum Gegenstand von Dokumentar- und Spielfilmen wird ("Still Alice", 2014). Natürlich zieht auch das Theater mit. Der französische Erfolgsdramatiker Florian Zeller setzte sich etwa in "Vater" aus der Perspektive eines Erkrankten mit Demenz auseinander. 2016 lief das verstörende Vexierspiel rund um Wahn und Wirklichkeit mit viel Erfolg in den Wiener Kammerspielen.

Mit der Uraufführung eines weiteren Alzheimer-Dramas beginnt nun die neue Spielzeit in den Kammerspielen. Hausautor Peter Turrini hat mit "Gemeinsam ist Alzheimer schöner" ein erstaunlich versöhnliches Kammerspiel verfasst, aus dem die beiden erstklassigen Theaterkräfte Maria Köstlinger und Ex-Burg-Schauspieler Johannes Krisch in der Regie von Alexander Kubelka das Bestmögliche herausholen.

Das Stück spielt in der Seniorenresidenz "Herbstfreude", von Bühnenbildner Florian Etti als schwarz-weiß-karierter Un-Ort entworfen. In diesem albtraumhaften Szenario spielen sich zunächst klischeehafte Szenen einer Ehe ab: Aus einer luftigen Flower-Power-Romanze wird durch Ehe und Geburt eines Sohnes bitterer Ernst: Er wird erfolgreicher Unternehmer, sie bricht ihr Studium ab, Seitensprünge und die Fadesse einer gutbürgerlichen Ehe, die nur mehr auf dem Papier Bestand hat, sind die Folgen. Bis sich das zerstrittene Paar im hohen Alter und mit völlig zerrüttetem Verstand erneut findet und sich auf geradezu überirdische Weise ineinander verliebt.

Hier gelingen Krisch und Köstlinger herrlich absurde Szenen, etwa wenn es um die Tücken des Zäheputzens geht, die ansatzweise etwas von dem existenziellen Schrecken aber auch möglichen Freuden eines Gedächtnisverlustes erzählen. Rare Momente einer 100-minütigen Aufführung, die über weite Strecken das Thema Alzheimer allzu sehr mit Samthandschuhen anfasst.