Das Virus wirkt auch auf das wichtigste Avantgarde-Festival Österreichs ein: Der steirische herbst 2020 wird vorwiegend online stattfinden: "Paranoia TV" heißt das Programm, das man sich einfallen hat lassen, um das Festival trotz Pandemie durchführen zu können. Einige Live-Performances gibt es dennoch. So wird zur Eröffnung Janez Jansa eine Art Hörspiel im Taxi gestalten, und lokale Veranstalter wie das Theater im Bahnhof oder das Literaturhaus steuern Live-Acts bei.

Das Programm wird großteils digital geboten: Über Paranoia TV kann man unterschiedliche Formate erleben, aber auch Gespräche mit Künstlerinnen und Künstlern. Herbst-Intendantin Ekaterina Degot will das weder als Notlösung noch als reduzierte Version verstehen, sondern als neues Konzept für eine Zeit der Krise. Die Zentrale von Paranoia-TV befindet sich in der Herrengasse, wo im ersten Stock ein Café eingerichtet ist und auch Tickets erhältlich sind.

Serien im Paranoia-TV

Eine der zugänglichen Aktionen ist die Installation "Photoautomat" von Akinbode Akinbiyi am Eisernen Tor, wo Passanten Passfotos von sich machen können. Der Automat gibt dann aber völlig andere Bilder aus, und zwar von Berlin während des Lockdowns. Ein Stück weiter, am Burgring, gestaltet Vadim Fishkin in "Dictionary of Imaginary Places" den Dialog zwischen zwei Straßenlaternen. Roee Rosens Malbuch für Erwachsene mit dem Titel "Lucy ist krank" wird während der Festivaldauer an Patienten und Personal des Grazer LKH ausgegeben.

Die Online-Premieren finden auf www.paranoia-tv.com und der Paranoia-TV-App während der gesamten Festivaldauer statt. Zu sehen sind etwa eigene Serien wie "Deutsch-Süd-Ost", gelesen von Mavie Hörbiger. Im Literaturhaus findet ein eigenes Festival unter dem Titel "Out of Joint" über ein aus den Fugen geratenes Leben statt.