Ludwig Anzengruber sorgte im 19. Jahrhundert mit seinen sozialkritischen Volkstücken für Furore, mittlerweile ist der österreichische Dramatiker weitgehend von den Spielplänen verschwunden. Harald Posch, Werk-X-Co-Intendant, holt nun eines seiner Erfolgsstücke, "Der G’wissenswurm", aus der Versenkung und eröffnet unter dem Titel "Der G’wissenswurm - The unintentional end of Heimat" die neue Spielzeit in Meidling.

Anzengrubers Bauernkomödie aus 1874 variiert ein seinerzeit beliebtes Sujet: Der Sündenfall des reichen Bauers, der die Magd schwängert. Regisseur Posch liefert in seiner freihändigen Bearbeitung nun eine Tour d’Horizon über aktuelle Heimat-Diskurse. Von linken Vordenkern wie Adorno und Bourdieu bis hin zu den "grünen Rechten" Andrea Röpke und Andreas Speit, die eine Art "völkische Landnahme" propagieren, spannt der Regisseur ein weites gedankliches Spielfeld auf, nimmt sich für die 90-minütige Aufführung enorm viel vor, was er szenisch leider nicht einzulösen vermag.

Die Bühne sieht mit Palmenwandtapete und leeren Bierkisten aus wie ein heruntergewirtschaftetes Dorfwirtshaus, inmitten dieser Tristesse ereignen sich zahllose Minidramen, lärmende Showdowns, kabarettistische Einlagen, die nicht wirklich einen Sog entwickeln. Das sechsköpfige Ensemble, bekleidet mit Glamour-Dirndl und Trash-Latzhose, agiert mit hohem Körpereinsatz, es geht auf der Bühne ziemlich rau zu, meist sprechen sie im Dialekt, unterlegt mit lautstarker Musik, versteht man über weite Strecken kaum ein Wort. Schade.