Theater am Alsergrund, CasaNova Vienna, Globe Wien, Gruam, Kulisse, Niedermair, Orpheum, Simpl, und Stadtsaal – neun große und kleine Wiener Kabarettbühnen (mit Sitzplatzkapazitäten von 50 bis 1.450 Personen) machen seit dem Sommer gemeinsame Sache. Denn auch wenn sie sonst gegenseitig um Gäste buhlen und in Konkurrenz zueinander stehen, haben sie jetzt einen gemeinsamen Feind: das Coronavirus.

Die Pandemie und die damit verbundenen Theaterschließungen sowie die aktuellen Einschränkungen für den Spielbetrieb haben die privatwirtschaftlich geführten Häuser noch stärker getroffen als die subventionierten Theater. Haben die neun Kabarettbühnen – ohne Unterstützung der öffentlichen Hand – bisher pro Jahr gemeinsam mit durchschnittlich 2.260 Veranstaltungen und mehr als 570.000 Besuchern mehr als 18 Millionen Euro Gesamtumsatz erwirtschaftet, so wird es heuer nur ein Bruchteil davon sein. Wenn man bedenkt, dass davon knapp 13 Millionen Euro in knapp 200 Fixgehälter sowie mindestens genauso viele Künstlergagen und Honorare freier Dienstnehmer (von Technik bis Grafik) geflossen sind, kann man erahnen, wie sich die Krise in diesem Sektor auswirkt.

Das Kabarett als Brutstätte für den gesamten Kulturbereich

Die neun Häuser haben sich daher im Juni zu den Vereinigten Kabarettbühnen Wien (VKBW) zusammengeschlossen, um gemeinsam stärker auftreten zu können. Die Stadtpolitik hat bereits reagiert: Am 8. September wurde ein Antrag auf Unterstützung im Kulturausschuss eingebracht und nun im Gemeinderat beschlossen, demzufolge die Wiener Kabarettbühnen mit 3 Millionen Euro unterstützt werden sollen. "Damit wir auch in Zukunft etwas zum Lachen haben", wie Bürgermeister Michael Ludwig am Freitag meinte. Er und Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler "haben durch ihre Initiative für die Kabarettszene kulturelles, soziales und wirtschaftliches Verständnis bewiesen", heißt es in einer Aussendung der VKBW, die dem Stadtchef für die Förderung dankbar sind. Auch Kaup-Hasler betonte die Bedeutung der Unterstützung: "Wir wollen das europaweit einmalige Wiener Kabarett als Teil unserer vielfältigen Kulturlandschaft sichern. Aus diesem Grund haben wir gemeinsam mit der Szene das entsprechende ‚Kabarettpaket‘ für Wien geschnürt."

Mit der Zusatzförderung werde sichergestellt, "dass wir unseren Betrieb für den Rest der Saison aufrecht erhalten und dem von der Krise arg gebeutelten Kabarettnachwuchs weiterhin eine Plattform bieten können", so Michael Auernigg, Chef des kleinen Theaters am Alsergrund. "Wir sehen die Förderung als einen wichtigen Beitrag, der verhindern kann, dass der Branche eine ganze Generation an Nachwuchskünstlern verloren geht." Sein Haus feiert am 7. Oktober sein 30-jähriges Bestehen. Genau zehn Jahre älter ist die Kulisse im 17. Bezirk. "Ohne die Unterstützung der Stadt Wien in der Corona-Krise, durch eine Subvention, wäre es uns nicht möglich, dieses traditionsreiche Theater weiter am Leben zu erhalten", sagt Chefin Doris Ringseis. Simpl-Chef Michael Niavarani, der gemeinsam mit Georg Hoanzl auch das Globe Wien aufgebaut hat und die VKBW initiiert hat, rechnet vor, dass "an jeder einzelnen Kabarettistin, jedem Kabarettisten bis zu 30 Arbeitsplätze hängen". Auch kulturpolitisch sei die Unterstützung für die Bühnen bedeutsam, "weil das Kabarett an sich und auch als Brutstätte für die gesamte österreichische Kultur – Film, Literatur, Theater und Musik – nicht wegzudenken ist". (maz)