"Buh!" - "Bravo!" - "Buh!" - "Bravo!" - "Buh!" - "Bleder Kerl!" Der Zwist zwischen zwei Sturköpfen, am Sonntag während der Vorstellung ausgetragen, war zwar kein Nachweis von Eloquenz, aber einer der Leidenschaft - und auch der bleibenden Brisanz von Peter Konwitschnys "Don Carlos"-Inszenierung. Ioan Holender, Staatsopernchef bis 2010, hatte die Produktion nach Wien geholt, Nachfolger Dominique Meyer ließ sie sanft entschlummern, Neo-Hausherr Bogdan Roščić hat sie nun penibel neu einstudieren lassen. Wobei, kurios: Der Mini-Eklat am Sonntag ging auf das Konto einer eher harmlosen Regie-Pointe - Ebolis Sehnsuchtsfantasie vom Eheglück, von Konwitschny mit viel Augenzwinkern in einer biederen Gegenwart inszeniert. Die ebenso heutige und deutlich grimmigere Ketzerverbrennung erhitzte die Gemüter danach weniger - was aber wohl auch dem Umstand geschuldet war, dass die Szene aus Covidgründen in einer effektarmen Fassung, diesmal nicht im Zuschauerbereich, stattfand.

Markant gesungen

Die fünf Stunden bleiben aber vor allem sängerisch in Erinnerung. Zwar verhinderte eine Corona-Infektion das Auftreten von Ildar Abdrazakov, der in Michele Pertusi (Philippe II.) einen soliden Ersatzmann fand. Und Jonas Kaufmann (Carlos) ließ mit seinem Mix aus cremig-zarten und ungeratenen Tönen einige Wünsche offen. Dafür eroberte Igor Golovatenko (Posa) das Haus mit einer nasalen, kernigen Stimmwucht im Sturm, Eve-Maud Hubeaux verlieh der Eboli eine herb-tragische, treffsichere Stimme und Malin Byström (Elisabeth) berückte mit einem frappant süßebefreiten Sopran, in dem stets eine Ahnung von Verhängnis zu beben schien. Bertrand de Billy widmete sich im Graben den blumigen Passagen dieser Verdi-Partitur ebenso nuanciert wie ihrem tragischen, düsteren Sog: ein langer, lohnender Abend.