"Ich bin keine Dutzendware, ich bin aus feinstem Holz geschnitzt", mit diesen Worten stellt sich der Protagonist Felix Krull selbst vor. Im Landestheater Niederösterreich sieht der Schauspieler Tobias Artner dabei in seinem glitzernden Anzug wie ein Zirkusartist aus und verkörpert den leichtsinnigen Tunichtgut überaus glaubwürdig als geschmeidigen Typen, der mit sich und seinen Lügen völlig im Reinen ist.

Anna Sörensens Bühnenbild ist denkbar schlicht - ein langer Tisch mit Tischtuch -, erweist sich aber als erstaunlich spieltauglich: Dahinter, darunter, davor und darauf wird in der St. Pöltner Landesbühne auf Teufel komm raus Thomas Manns Romanfragment "Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull" gegeben. Gute Laune stellt sich da leicht ein.

Regisseur Felix Hafner hat auch die Fassung erstellt und die figurenreiche Vorlage freilich drastisch, aber doch sinnfällig gekürzt. Krulls wesentliche Stationen vom Liftboy zum Oberkellner und Hoteldieb bis hin zum falschen Aristokraten kommen vor. Dass die Figuren in der epischen Erzählweise auf der Bühne etwas holzschnittartig bleiben, macht hier kaum etwas aus. Die absichtsvoll gestelzte Sprache und der überzuckerte Spielstil von Regisseur Hafner ergänzen einander wie Puzzleteile: Die Künstlichkeit der Inszenierung passt zum Thema des Romans.

Der große deutsche Romancier hat an den "Bekenntnissen des Hochstaplers Felix Krull" jahrzehntelang bis zu seinem Tod im Jahr 1955 gearbeitet und doch nur "Teil eins der Memoiren" fertiggestellt, geplant waren sechs Bände.

Doch allein in diesem einen Band geht es hoch her: Ich-Erzähler Felix Krull verliert in jungen Jahren seinen Vater, wird einem Paten anvertraut, der ihn als Liftboy in einem Pariser Luxushotel unterbringt. Die ideale Bühne für einen begnadeten Hochstapler, der sich seinen Spaß mit der bürgerlichen Welt macht, sie zunächst als Hoteldieb, dann als falscher Aristokrat hintergeht. In Thomas Manns Sicht der Dinge ist es die Welt um ihn herum, die betrogen werden will. Krull ist nichts als ein charmanter Schwindler.