"Eine andere Welt ist möglich", versichert der Dschungel Wien zum Spielzeitstart. Und verspricht, mit den geplanten Produktionen auf die Einschnitte und Veränderungen der vergangenen Monate zu reagieren - in jedem Falle aber (hoffentlich) keinen Spieltag mehr zu verlieren. Emotional und kämpferisch waren so auch die Eröffnungsworte von Corinne Eckenstein.

Sie ist seit vier Jahren künstlerische Direktorin des Theaters und verantwortet eine der beiden Eröffnungspremieren, die gleich die thematisch-ästhetische Spannweite der kommenden Monate deutlich macht: Geht es im poetischen Tanzstück "Tohuwabohu" (6+) der Gruppe DasCollectif um Fragen der Wahrnehmung der Geräusche einer (Groß-)Stadt mit all dem tönenden "Drunter und Drüber" der alltäglichen Überforderungen, so steht im Zentrum von "The Return of Ishtar" (13+) die Anrufung und Wiederkehr der vergessenen mesopotamischen Gottheit Ishtar, die zwischen Begehren und Krieg, zwischen tierischen und (post)humanen Erscheinungsformen changiert.

Tohuwabohu im Dschungel. - © Lukas Beck
Tohuwabohu im Dschungel. - © Lukas Beck

Regisseurin Eckenstein entwickelt für die Performance, angesiedelt zwischen Tanz-, Material- und Puppentheater, so etwas wie einen rauschhaften Revolutionstrip, voll politischer Uncorrectness und gesellschaftlicher Utopien, inklusive Weltveränderungsgesten und Terrorismus-Fantasien. Das dreiköpfige rein weibliche Ensemble findet sich in diesem Spannungsfeld hervorragend zurecht. Die beiden Uraufführungen markieren auch auf Produktionsseite die Herausforderungen, denen sich das Haus im Museumsquartier zu stellen hat: Auf dem Spielplan finden sich regelmäßig international entwickelte und kofinanzierte Projekte wie "The Return of Ishtar" sowie bundesweite und regionale Koproduktionen. Bleibt zu hoffen, dass der ambitionierte Spielplan in Zeiten von coronabedingten Einschränkungen wie geplant umgesetzt werden kann.

Intergalaktische Abenteuer

Vor allem sind es, verspricht Eckenstein bei der Saisoneröffnung, Fragen des Alltags, des Erlebens und Welt-Erfahrens, mit denen das junge Publikum in dieser Spielzeit konfrontiert wird.

Die Bandbreite an Themen, Sparten, Produktionsformen und begleitenden Formaten der über 60 Produktionen, die es im Laufe der Spielzeit 2020/21 auf weit über 500 Vorstellungen bringen wollen, sind umfassend. 35 Uraufführungen und nicht weniger als 21 Eigen- und Koproduktionen enthält das Angebot mit mehreren Vorstellungen am Tag. Daneben gibt es eine Reihe von Wiederaufnahmen und coronabedingt verschobene Projekte. Mit TWOF2 + dascollectiv und deren Kopfhörer-Performance im öffentlichen Raum "WaViD 20" (10+) geht der Eröffnungsreigen weiter und lädt zu einem "intergalaktischen Abenteuer in einer vertrauten Stadt" ein. Und ab 15. Oktober fragen schallundrauch agency in ihrer neuen Musikperformance danach, was jeden von uns zum Original (10+) macht.

Viel Neues und viel Mut für eine dichte Spielzeit, in der die einzige Gewissheit wohl die Ungewissheit ist.