"Man sollte hin und wieder einen Briefträger verprügeln." Ist das ein guter erster Satz für ein Programm? Diese Überlegung dient dem Kabarettisten Gunkl als Ausgangsbasis in seinem neuen Solo. Er ist übrigens, wie er rasch klarstellt, nicht dieser Meinung und wünscht den Postlern ein langes, gutes Leben. Warum er sich überhaupt mit ihnen befasst? Weil es ihm ganz grundsätzlich um den Umgang mit Nachrichten geht, für deren Inhalt der Überbringer ja nichts kann. Umgekehrt sollte sich der Bote aber auch nicht allzu wichtig nehmen.

Gunkl folgt jedenfalls der Devise - und legt sie auch seinen Zuhörern ans Herz -, dass man sich nicht gleich aufpudeln sollte, sondern zunächst einmal die Fakten sortieren, bevor die Emotion hochkocht. Er argumentiert mit bestechender Logik, der allerdings immer wieder die menschliche Natur in die Quere kommt. Apropos Natur: Gunkl ist sichtlich entzückt darüber, dass es Tierarten gibt, die in Konditionalsätzen miteinander kommunizieren - auch wenn die Sprache der Fauna ansonsten denkbar simpel ist, auch in Bezug auf Nachrichten für Artgenossen. Fragt sich nur, ob die kompliziertere Menschensprache positiv zu bewerten ist. Gunkl ist da nicht so sicher - auch wenn sein gesamtes Einkommen auf genau dieser Komplexität basiert. Und natürlich auf einem gerüttelt Maß an Belesenheit, das für höchst unterhaltsame Sidesteps gut ist. Denen hört man genauso gern zu wie seinen Schlussfolgerungen, die oft im Grunde denkbar simpel sind - wenn man sich nur auf sie einlässt.

Nachdenken übers Denken

Gunkl rechnet auch mit Hochmut und Größenwahn ab. Und mit dem Geschichtsunterricht, der aus seiner Sicht viel zu viel auslässt. Dafür beeindruckt ihn die Mathematik umso mehr. Und wenn er dann bei seinem Leib- und Magenthema ankommt und übers Denken an sich nachdenkt, muss man echt gut aufpassen, um mitzukommen. Manches, was er bedenkt, macht richtig nachdenklich. Spätestens, wenn er sich mit Künstlicher Intelligenz auseinandersetzt, wird es echt gruselig, wenn man seinen Gedankengängen bis zum Ende folgt.

Wenn Gunkl, der Asperger, einen Schritt zurück tritt und - oberlehrerhaft, aber doch sympathisch - zwischenmenschliche Beziehungen analysiert, ist das genauso lehrreich wie lustig. Und man merkt: Auch nach 58 Jahren ist Gunkl immer noch fasziniert vom Menschsein. Und er lässt sein Publikum an dieser Faszination teilhaben. Mit allen Abschweifungen, die damit einhergehen.