Der Comedian Kaya Yanar denkt in der Rassismusdebatte intensiv über seine Figur Ranjid nach. "Ich finde es schade, Ranjid eventuell nicht mehr zu spielen. Es ist, wie einen alten Freund zu verlieren. Aber letztendlich entscheiden natürlich die Inderinnen, Inder und Indischstämmigen in Deutschland, ob Ranjid weiterhin gespielt werden darf", sagte Yanar der Deutschen Presse-Agentur.

Seine Facebook-Community fragte der Komiker: "Darf ich weiterhin Ranjid spielen oder ist das nun ein Tabu? Was meint Ihr? Interessant wären vor allem die Meinungen von InderInnen oder Deutschen mit indischem Migrationshintergrund zu dem Thema." Darunter begann eine Diskussion mit Tausenden Beiträgen.

Yanar sagte der dpa, er sehe viel Zustimmung und Indischstämmige selbst, die seine Figur nicht als rassistisch empfänden. Die Stoßrichtung, Klischees offenzulegen und mit ihnen zu spielen und sich nicht über Inder oder Akzent und Aussehen lustig machen zu wollen, sei immer sein Ziel gewesen. "Schließlich ist Ranjid eine Kunstfigur, die zwar einen indischen Migrationshintergrund hat, den aber kaum noch thematisiert."

Zurzeit läuft eine Debatte über Humor, der als rassistisch wahrgenommen werden kann. Vor allem Blackfacing gerät in den Fokus. Von Blackfacing spricht man, wenn sich weiße Menschen schminken, um schwarze Menschen stereotyp darzustellen und die Hautfarbe zu einer Verkleidung degradieren. Brownfacing wäre ein entsprechendes Wort, wenn es um Inder geht, Yellowfacing, wenn es um Menschen aus China, Thailand oder anderen Ländern Asiens geht. Blackfacing ist insbesondere in den USA umstritten, weil dort lange Zeit ein Bühnenverbot für schwarze Menschen herrschte und Weiße an der systematischen Unterdrückung auch in der Kunst Geld verdienten.

Yanar, der selbst türkische Vorfahren hat, hatte sich in der Sendung "Walulis Woche" geäußert. In der am Sonntag im SWR-Fernsehen ausgestrahlten und in der ARD-Mediathek verfügbaren Sendung sagte er: "Diese ganze Diskussion, die finde ich großartig. Die zwingt uns Komiker dazu zu reflektieren. Darüber nachzudenken: "Was haben wir da eigentlich gemacht?" Was gar nicht so einfach ist."

"Andere gesellschaftliche Maßstäbe"

Sein ganzes Statement für die Show mit dem Titel "Warum Comedy-Helden jetzt gelöscht werden sollen" lautet: "Vor 20 Jahren galten ganz andere gesellschaftliche Maßstäbe. Damals waren Sachen akzeptiert beziehungsweise auch gewünscht, wo man heute sagt: 'Geht das überhaupt noch?' Aber das ist ja der Job eines Komikers! Ja: An der Grenze des politisch Inkorrekten herumzutänzeln. Oder auch mal politisch unkorrekt zu sein. Grenzen neu zu ziehen, zu definieren, zu testen. Und 20 Jahre später zu sagen: 'Hey, das, was du damals gemacht hast, das geht nicht mehr!' Das ist natürlich einfach: Eine einzelne Person anzugreifen, aber eigentlich müsste man den ganzen Zeitgeist, der damals herrschte, angreifen. Was natürlich viel schwieriger ist."

Die Schauspielerin Anke Engelke hatte vor kurzem der "Süddeutschen Zeitung" gesagt: "Blackfacing, Yellowfacing - einige Parodien würde ich nicht mehr machen." Heute checke sie ab, ob Menschen betroffen seien, die struktureller Ausgrenzung oder Rassismus ausgesetzt seien. "Ich finde es gut, wenn wir heute ein anderes Bewusstsein haben." In den USA und in Großbritannien gibt es solche Debatten schon lange. (apa)