Der eindrucksvollste Auftritt gehört dem Bühnenbild: Minutenlang werden leere Hüllen mit Sauerstoff vollgepumpt, bis sie zu Luftbällen werden und den gesamten Bühnenraum des Schauspielhauses ausfüllen. Dazu ertönt bombastische Musik. Es ist, als würde vor den Augen des Publikums eine Welt erschaffen werden. Diesen farbenfroh funkelnden Bühnenkosmos bewohnen zunächst fünf Schauspieler, die sich als Tetris-Steine vorstellen, als Figuren aus dem Computerspiel.

Bald danach treten auf: im Weltall verschollene Astronauten, arbeitslose Soziologen, ein wildgewordener Priester, ein Terrorist mit Schießhemmung, tanzende Kakerlaken und das letzte Einhorn, das im Schauspielhaus tatsächlich so aussieht wie die regenbogenbunten Kinderspielfiguren, nicht zu vergessen Micky Maus und seine 14 Kinder. Willkommen im Kosmos von Miroslava Svolikova!

Kakerlaken-Angriff. - © Heschl
Kakerlaken-Angriff. - © Heschl

Die 34-jährige Wiener Dramatikerin treibt gern ein Verwirrspiel mit illustren Figuren und malt die großen Probleme der Menschheit mit bunten Comicfiguren aus. In ihrem jüngsten Stück "Rand", das nun von Schauspielhaus-Intendant Tomas Schweigen uraufgeführt wurde, geht es um das Auseinanderdriften von Welten, um die Angst der Mittelschicht und um Beobachtungen aus den elenden Randzonen der Gesellschaft.

Die Autorin entwirft mit ihrem bizarren Figurenarsenal eine Reihe an absurden Miniaturen, die Regisseur Schweigen und sein fünfköpfiges Ensemble als kurzweiligen Bilder-Reigen gut gelaunt auf die Bühne bringen.

Das Problem der knapp zweistündigen Aufführung ist freilich, dass mit zunehmender Dauer dem Stück der Witz ausgetrieben wird. Was anfangs vieldeutig in Schwebe gehalten wird, wird zunehmend ausbuchstabiert. Das ganze Unternehmen wird dadurch leider etwas banal und beliebig, daran kann auch die Spielfreude des Schauspielhausensembles nicht mehr viel ändern.