Es ist immer ein Risiko, sich an eine berühmte Vorlage heranzuwagen - in diesem Fall Hans Christian Andersens Märchen vom "standhaften Zinnsoldaten", für das dieser wiederum Inspiration bei E.T.A. Hoffmanns "Nussknacker und Mäusekönig" holte-, doch Roland Schimmelpfennig hat unter dem Titel "Der Zinnsoldat und die Papiertänzerin" eine wunderbare Umsetzung als Zwei-Personen-Stück geschafft.

Diese ist derzeit im Vestibül des Wiener Burgtheaters zu sehen. Tilmann Tuppy und Lili Winderlich begeistern als Zinnsoldat und Papiertänzerin, und man kommt nicht umhin, zu sinnieren, wer von den beiden nun niedlicher ist: der sehr jungenhafte Einbeiner aus Blei in seiner ramponierten Uniform oder doch die filigrane Papierfigur, die auf einem Bein steht.

- © Marcella Ruiz Cruz
© Marcella Ruiz Cruz

Während sie ihr großes Abenteuer erzählen (nach einem Kindergeburtstag landen sie in einer Ecke, fallen aus dem Fenster, er treibt im Rinnsal, sie wird durch die Luft gewirbelt, bis ein großer Zufall sie wieder zusammenbringt und sie in letzter Sekunde vor dem Verheizen gerettet werden), wirbeln die beiden über den karierten Fliesenboden des Vestibüls (Regie: Mia Constantine, Dramaturgie: Maike Müller), vor einer minimalistischen, aber hübschen Kulisse (Brigitte Schima), mit vollem Körpereinsatz, ohne Rücksicht auf ihre tollen Kostüme und Requisiten, mit denen sie auch Gegner wie Springteufel, Kanalratten, Elster oder Wels erstehen lassen. Das einstündige Stück (ohne Pause) ist voller Slapstick und Gags, aber auch voller liebevoller Blicke zwischen den beiden arg hergebeutelten Protagonisten. Und es ist auch eine Parabel über das Anderssein und Ausgrenzung.

Der Zinnsoldat und die Papiertänzerin

Burgtheater Vestibül

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