Am Anfang ist Tamara Stern. Es ist einer der stärkten Momente des Abends, wenn sie, ihr Worte langsam formend, aus der Erstarrung des Danach, das sich zuletzt als einsamer, ewiger Tanz einer sich endlos loopenden Vernichtungstirade enttarnen wird, im abgerockten Barockdekor - rostbraun-neongelbes Kostümzitat, weiß-grün gepolsterte Haartracht auf dem hart gewordenen Leib - am Seitenrand der Bühne steht.

Stern ist Heiner Müllers Marquise de Merteuil. Und all die anderen Figuren, die in diesem von zwei Menschen ausgetragenen "Quartett" im mörderischen Spiel feindlich gewordener Kräfte aufeinanderprallen. Ihr gelingt es in Luca Pályis Inszenierung des 1980 fertiggestellten und heute meistgespielten Stücks Heiner Müllers auch über weite Strecken, zwischen Zitat und Rhetorik, winselndem Humor und abgründigem Spaß ihren Platz auf der mit neun spiegelähnlichen schmalen Stehlen ausgestatteten, sonst aber leeren kleinen Bühne des Off Theaters zu finden. Doch auch sie sucht im Verlauf der knapp 70-minütigen Handlung und im steten Rollen- und Kostümwechsel zunehmend nach Präzision und Konzentration, wird zur reinen Grimasse.

Tamara Stern (l.) und Gerald Walsberger. - © Walter Mussil
Tamara Stern (l.) und Gerald Walsberger. - © Walter Mussil

Gerald Walsberger bleibt hingegen sprachlich wie in seinen darstellerischen Möglichkeiten einiges schuldig. Pályis Inszenierung beginnt vielversprechend, verliert jedoch stetig im sichtlichen Bemühen, dem oft hermetisch wirkenden Text und dessen hart hinabschießenden Sprachkaskaden zwischen Barock und Bunker vermehrt szenische Einfälle entgegenzusetzen, deren kindliche Verspieltheiten nur wenig mit dem bösen Spiel der Vorlage zu tun haben.