(pat) Der deutsche Theater- und Opernregisseur Aron Stiehl ist seit dieser Spielzeit künstlerischer Leiter des Stadttheaters Klagenfurt. Die laufende Saison wurde noch von seinem Vorgänger Florian Scholz geplant, der seine Amtszeit aus freien Stücken vorzeitig beendete und nun das Theater in Bern leitet. Mit der "Wiener Zeitung" sprach der 51-Jährige über die jüngste Premiere und aktuelle Probleme.

"Wiener Zeitung": Wie wichtig sind Aufführungen wie "Servus Srečno Kärntenpark" für das Stadttheater Klagenfurt?

Aron Stiehl: Reflexive Selbstbefragungen sind enorm wichtig, Theater muss politisch sein und gesellschaftlich relevante Fragen stellen. Im Theater kann sich eine Gesellschaft hinterfragen, es ist ein idealer Ort, um sich mit der eigenen Geschichte auseinanderzusetzen, um einander mit Respekt zu begegnen, nicht mit Hass.

Rechnen Sie mit empörten Zuschauerreaktionen?

Das kann ich schwer einschätzen, aber ich denke, dass die Mehrheit damit klarkommen wird. Bernd Liepold-Mossers Inszenierung ist eigentlich eine Liebeserklärung an Kärnten.

Wie beurteilen Sie den historisch gewachsenen Konflikt mit der slowenischen Minderheit?

Ich habe sofort bemerkt, wie brisant das Thema noch ist, obwohl mir dauernd alle sagen, dass die Minderheitenfrage der Vergangenheit angehöre. Sicher ist es heute besser als in den 1970er und 1980er Jahren, es gibt keinen Ortstafel-Sturm mehr, aber die Geschichte wirkt weiterhin fort. Das ist noch nicht befriedet.

Das Klagenfurter Stadttheater spielt im Stagione-Prinzip. Befürworten Sie das?

Es hat den Vorteil, dass wir die Stücke passgenau besetzen können, bis auf Chor und Orchester arbeiten wir ausschließlich mit Gästen, und wir können die Qualität der Aufführung besser halten. Im Repertoire-Betrieb sacken Inszenierungen nach der Premiere mitunter ab, weil Stücke monatelang nicht mehr gespielt werden.

Wie funktioniert das bei den geltenden Reisebeschränkungen?

Das bereitet uns einige Probleme, bisher konnten wir alles meistern, aber die Anspannung ist enorm, da wir keine Planungssicherheit haben. Wir erarbeiten laufend neue Pläne, gehen wirklich an unsere Grenzen und hoffen, dass wir im Winter überhaupt weiterspielen können.

Wie werden Sie diese Zeit finanziell überstehen? Sie haben höhere Kosten durch die Sicherheitsauflagen und deutlich geringere Einnahmen wegen der Halbierung der Plätze.

Das frage ich mich auch. Derzeit gibt es noch zu viele offene Fragen, ich weiß wirklich nicht, wie wir am Ende der Spielzeit finanziell dastehen werden, aber ich hoffe, dass die Politik weiterhin zu ihrem Theater steht.