"Wir werden das modernste Haus in Wien sein", freut sich Neo-Volkstheaterdirektor Kay Voges drei Wochen vor der Präsentation seines ersten Spielplans. Am 2. November wird er sein - im ersten "Corona-Halbjahr" - aus 20 Personen bestehendes Ensemble sowie jene neun Produktionen vorstellen, die ab Jänner im generalsanierten Haus Premiere auf der Hauptbühne haben werden.

"Wir sind im Endspurt, auch, wenn es manchmal nicht klar zu erkennen ist", ergänzt Cay Urbanek, kaufmännischer Geschäftsführer, bei einem Presserundgang am Mittwoch. Tatsächlich sieht es sowohl im Zuschauerraum als auch hinter der Bühne noch nicht so aus, als könnte sich die gesamte Belegschaft ab Anfang November zu jenem "Trainingslager" einfinden, das Voges vorschwebt. Schließlich wurde gerade in puncto Bühnentechnik sehr viel verändert, um "Arbeitsabläufe gegenwärtiger und praktischer zu machen. Das müssen wir jetzt alle neu lernen", sagte der aus Dortmund nach Wien übersiedelte Direktor. In den ersten Novemberwochen will er gemeinsam mit dem Team jedenfalls versuchen, "dieses Haus wieder mit Leben zu füllen". Im neuen Ensemble, dessen Mitglieder noch streng geheim sind, werden sich auch vier Personen aus dem "alten" Volkstheaterensemble finden.

En-suite-Betrieb an der Nebenspielstätte

Auch zur Nebenspielstätte, die nun V°T//Volx heißen wird, gab er ein Detail bekannt: Man werde die Bühne nicht mehr mit Repertoire bespielen, sondern mit zwei bis drei Stücken pro Saison "en suite". Dies soll ermöglichen, komplexere Bühnenbilder als bisher bauen zu können. Die restliche Zeit soll das Haus als Probebühne benützt werden. Als weitere Spielstätte sieht Voges - wie bereits bekannt - die "Dunkelkammer" unter dem Dach vor, auch das neue Café, das im ehemaligen Kartenbüro entsteht, und die adaptierte Rote Bar sollen als Parallel-Spielorte dienen können - ein neuer Schallschutz macht es möglich.

Das Ticket-Büro wird künftig dort zu finden sein, wo einst eine der beiden Garderoben positioniert war. Eine neue "Zentralgarderobe" wurde direkt hinter der Tribüne im Zuschauerraum geschaffen - in einem Raum, der nun direkt aus dem Foyer betretbar ist und räumlich vom Saal abgetrennt wurde. Apropos Foyer: Dieses wird nach außen hin geöffnet, künftig gelangt man über fünf (statt bisher drei) Eingänge ins Haus. Für Voges auch ein Zeichen, dass das Theater den Bürgern gehört und zugänglicher sein wird als der bisherige "Elfenbeinturm". Dafür soll auch das Café sorgen, in dem er den "besten Kaffee des siebenten Bezirks" verspricht und das "14 Stunden am Tag für die Besucher geöffnet haben wird" und nach außen einen Schanigarten und nach innen einen Zugang zum Theater haben wird.

Dort, im Zuschauerraum, sind die Neuerungen nicht auf den ersten Blick sichtbar. So wurden die Teppichböden auf den Rängen und in den Logen durch Linoleumböden ersetzt, um eine bessere Akustik zu ermöglichen. Statt der drei Deckenluster, die mit dem Tribüneneinbau im Jahr 2015 dazu kamen, wird es einen Lichtring geben. Die wahren Veränderungen bleiben für die Besucher verborgen - neue Glasfaserverkabelung und ein Steuerungselement, das Elemente wie Ton und Licht miteinander verbindet. Auch eine neue, größere Auftrittsmöglichkeit aus dem Bühnenboden wird es geben: "Das Theater ist der einzige Ort der Welt, wo man vor Scham im Boden versinken und aus der Unterwelt wieder auferstehen kann", lacht Voges.

"Das Burgtheater wird es uns neiden"

Besonders freut sich Voges über die neue Nebenbühne mit einem riesigen Rolltor, das künftig die Anlieferung von Bühnenbildern direkt mit dem Lkw erleichtern soll. "Das war ja vorher eine Zumutung", sagt Voges. "Das Burgtheater wird es uns neiden!". Abschließend stellt sich noch die Frage nach den Sanierungskosten, die aus Corona-Gründen laut Urbanek um 1,7 Millionen auf 29 Millionen Euro gestiegen sind. Es gebe "Signale vom Bund, uns zu unterstützen", präzisiert er auf APA-Anfrage. Er hoffe auf eine 50:50-Lösung mit der Stadt Wien. Jene 3,3 Millionen Euro, die man als Eigenleistung einbringen wird, werden voraussichtlich aus einem Kredit kommen, den das Haus aufnehmen muss. Diverse Fundraisings hätten immerhin 100.000 Euro gebracht, aber die Bereitschaft, das Theater "in Zeiten wie diesen" zu unterstützen, sei verständlicherweise nicht so groß gewesen, wie man es sich erhofft habe. Erfreut zeigt sich Kay Voges über die neue Zusammensetzung des Aufsichtsrats, die kürzlich bekannt gegeben wurde. Dass der ÖGB sich zurückzieht und der Bund eine stärkere Rolle übernimmt, findet seine Zustimmung. "Ich bin begeistert, weil unsere direkten Ansprechpartner nun auch die Geldgeber sind." (apa)