"Ich glaub’, es geht schon wieder los", heißt ein Song von Roland Kaiser. Das amouröse "Es" fährt gnadenlos über den Betroffenen. Gleichzeitig suggeriert der Titel aber auch: Man blickt amüsiert darauf, wie verliebt man gerade wieder ist. Kennt man schließlich schon alles. Man ist mitten im Rausch und doch auch abgebrüht. Genau diesen ironischen Tonfall bedient auch Hermanns Bahrs berühmte Seitensprung-Komödie "Das Konzert", in der zwei Ehepaare aufeinanderprallen. Das Konzept der Polyamorie wurde 1909, als das Stück uraufgeführt wurde, noch nicht formuliert, klassischerweise gehen die Männer fremd - und davon aus, dass ihre Frauen großzügig darüber hinwegsehen. Die Herren sind nun einmal das schwache Geschlecht.

Das gern gespielte Stück ist ideal für Sommertheater: Es gibt viel zu lachen, darüber, wie die Geschlechterrollen angeblich sind. "Das Konzert" ist wie Schnitzler ohne Tiefgang: Ein ähnlich großbürgerliches Milieu, die Wohnung eines gefeierten Pianisten, und süße Mädels gibt es auch, es handelt sich um die Schülerinnen von Gustav Heink, ein in die Jahre gekommener Großkünstler-Geck, dem sämtliche Damen wie Groupies verfallen. Das titelgebende Konzert findet nie statt, es ist nur ein Code dafür, dass Gustl wieder einmal mit einer sehr viel jüngeren Geliebten in seine Hütte in die Berge fährt.

Unpassend in der Gegenwart

In der Josefstadt spielt ein reales Ehepaar das Ehepaar aus dem Stück, und sie machen das ausgezeichnet. Sandra Cervik ist souverän und abgeklärt, man weiß, dass sie alles durchschaut, die Fäden in der Hand hält. Und Herbert Föttinger gibt den Maestro, der einfach nicht alt sein möchte, als aberwitzige Karikatur. Ihn überfordert seine junge Geliebte - Alma Hasun muss völlig unpassend ein 80er-Jahre-Kostüm tragen, als ob sie in "Dynastie" mitspielen wollte. Wenn sie in den Wald möchte, verlangt er nach bequemen Hausschlapfen, wenn sie ihm leidenschaftlich ins Haar fährt, sagt er: "Geh, ned in die Hor." Föttinger gibt den eingebildeten Verliebten, der seine Seitensprung-Routine durchzieht. Obwohl er eigentlich schon erschöpft ist.

Der Clou des Stücks ist, dass die beiden Betrogenen auch in den Bergen auftauchen und vorgeben, sie hätten ebenfalls eine Affäre, was natürlich die Eifersucht entfacht - und letztendlich die alten Paare wieder zusammenbringt. Martin Vischer spielt Dr. Jura wie einen Fremdkörper, als wäre er aus dem 21. Jahrhundert ins alte Wien gebeamt worden. Ein selbstreflexiver Komiker, der es doch sehr ernst meint: ein Highlight des Abends.

Das Problem des Stückes ist, dass es überhaupt nicht in die Gegenwart passt. #MeToo? Nie gehört! Föttinger betatscht seine Schülerinnen, die allesamt wie Schablonen wirken und "Fräulein" genannt werden. Im letzten Akt gibt er ein Paradebeispiel an toxischer Männlichkeit, zwischen Wehleidigkeit und triefender Egomanie. In der Ehe komme es nur auf die Frau an, sagt er, und erwartet einen Freischein für seine Abenteuer. Unangenehm ist auch das alte Klischee: Die Männer verbrüdern sich, die Frauen intrigieren und manipulieren untereinander. Möchte man so etwas wirklich noch sehen? Der polnische Regisseur Kica, sonst für edle Salondramen in der Josefstadt zuständig, scheint selbst ein wenig ratlos. Er möchte zwar die Komödie bedienen, gleichzeitig die Rolle von Sandra Cervik stärken, die am Ende ihren Haustyrannen verlässt. Die Schlussszene wird gleich zweimal gespielt: Einmal läuft Föttinger seiner Gattin hinterher, dann seiner neuen Geliebten, die natürlich bereits parat steht. Das wirkt aufgesetzt, beide Visionen sind fatal.

So sehr man sich auch bemüht, die Frauen steigen schlecht aus. Dann hätte man vielleicht doch lieber Schnitzler inszenieren sollen. Da haben die Menschen zumindest eine Seele und nicht nur Triebe.