Das Grundmoment des Theaters ist Unterhaltung, auch, wenn es traurig zugeht!", sagte Regisseur Herbert Fritsch einmal treffend in einem Interview. Wie kaum ein anderer zeitgenössischer Theatermacher wühlt Fritsch im Fundus der Komödientradition und stößt dabei auch auf eine der ältesten Unterhaltungsformen der Theatergeschichte - die Commedia dell’arte. Im knallbunten Theater des Herbert Fritsch tauchen die absichtsvoll künstlichen Bewegungsabläufe wieder auf, zum Teil auch die Masken und Kostüme der Commedia dell’arte, in jedem Fall dreht sich bei Fritsch alles um die Arbeit des Komödianten an der Pointe. Genau wie bei der Commedia dell’ arte! Die wilden Straßenkünstler hatten mehr als nur derbe Späße auf Lager, sie inspirierten Dramatiker wie Molière, Gozzi und Goldoni, beeinflussten das europäische Theater auf vielfältige Weise, bis heute vermag man Spurenelemente ihrer Kunst etwa in den anarchisch-humoristischen Aufführungen von Herbert Fritsch zu entdecken.

Hang zum Absurden

Am Beginn des 16. Jahrhunderts nahm das Humor-Phänomen Commedia dell’arte in Italien seinen Ausgang. Anfangs genügten dem fahrenden Volk wenige Requisiten, behelfsmäßige Kostüme, um mit einem rasch wachsenden Repertoire an Sketchen und Skizzen das Publikum zum Lachen zu bringen. Über die Anfangsphase gibt es kaum schriftliche Zeugnisse, die Kunst der Komödie wurde mündlich tradiert.

Einen ziemlich guten Eindruck, wie Arlecchino, Pulcinella, Il Dottore und Pantalone ihr Publikum seinerzeit unterhielten, vermittelt indes die aktuelle Ausstellung im Theatermuseum. "Groteske Komödie" widmet sich dem italienischstämmigen Theateringenieur Lodovico Ottavio Burnacini, der im 17. Jahrhundert in Wien lebte, 55 Jahre lang im Dienste der Habsburger stand und für die kaiserlichen Theateraufführungen, Feste und Umzüge tausende Kostüme, Bühnenbilder und -maschinen entwarf. Auch die Pestsäule am Graben stammt übrigens von Burnacini.

Für die Ausstellung "Groteske Komödie" wurden nun einige von Burnacinis Kostüm- und Maskenentwürfen rekonstruiert, man bekommt nicht nur die prächtigen Commedia-dell’arte-Gewänder zu sehen, vielmehr schlüpften einige Schauspielerinnen und Schauspieler in die buntkarierten Kleider, banden sich Burnacinis ziemlich makabre Masken um und führten zu barocken Klängen einige Lazzi vor, so der Fachbegriff für die szenischen Routinen der Commedia dell’ arte. Diese Videoaufzeichnungen sind in beiden Schauräumen des Theatermuseums zu sehen und gehören zu den Höhepunkten der Ausstellung.

Weiterer Blickfang sind 125 Handzeichnungen aus der Sammlung des Theatermuseums. Burnacinis enigmatische Geschöpfe stellen die Welt auf den Kopf, bei den feinen Farbzeichnungen verschwimmen die Grenzen zwischen Mensch, Tier und Maschine, um die grotesken Aspekte noch weiter zu steigern, versah er seine Figuren häufig mit fantastischen Kostümen und abstoßenden Masken. Dieser extreme Hang zum Absurden rückt den barocken Künstler beinahe in die Nähe der Avantgarde.

Die Ausstellung zeigt eindrucksvoll, dass der Theatermagier Burnacini sowohl von bildenden Künstlern wie Bruegel und Hieronymus Bosch inspiriert wurde, als auch von den Commedia-dell’arte Straßenkünstlern. Folgt man den Ausführungen im Ausstellungskatalog, dürfte Burnacini mit einigen fahrenden Künstlern bekannt gewesen sein. "Groteske Komödie" ist ein Muss für Theaterinteressierte.