Kann ich wirklich nichts kaputtmachen?" Das ist ein Satz, den alle kennen, die schon einmal mit betagteren Verwandten das Neuland Computerbedienung betreten haben. Den hört auch Alex bald. Er ist der Internet-Trainer, den Tochter Sylvie in "Monsieur Pierre geht online" für ihren Vater Pierre organisiert hat. Die Bühnenversion dieses Films, der sich 2017 rund um den charmant-muffigen Pierre Richard in einer Altersrolle drehte, erlebte am Donnerstag Premiere in den Wiener Kammerspielen.

Alex ist der Freund von Pierres Enkelin Juliette, das darf er ihm aber - Order von Sylvie - nicht sagen, denn der Großvater trauert immer noch dem schnieken Ex-Freund nach. Der hat auch beträchtlich mehr hergemacht, hat einen Beruf, in dem man Anzug trägt, während Alex im Jogger im Homeoffice herumschlurft und versucht, Drehbücher zu schreiben. Und das in der Wohnung der Schwiegermutter, ein ziemlicher Loser also.

Diese kleine Freiheit mit der Wahrheit bringt die Handlung dieser klassischen Verwechslungskomödie - in der Tradition des "Cyrano von Bergerac" - denn auch in Fahrt. Denn mit seinem lückenhaften WWW-Rüstzeug landet Pierre - seit dem Tod seiner Frau Madeleine schwerst vereinsamt - flugs auf einer Dating-Seite, erstellt ein Profil und bestückt es - so mittel unabsichtlich - mit dem Foto von Alex. Mit Flora aus Brüssel, 32 Jahre, chattet er hingebungsvoll, man verliebt sich inkognito und es kommt zum Unausweichlichen: Flora will "pierrot89" auch persönlich kennenlernen. Weil Pierre aber nun nicht mehr ganz wie ein 31-Jähriger aussieht, muss er Alex in seine Misere einweihen und ihn als sein jüngeres Ich engagieren. Das fordert auch Alex’ Schlagfertigkeit, hat ihm Pierre doch mitnichten alles erzählt, was er vor Flora über seine Biografie fabuliert hat.

Leichtfüßig brummig

Wolfgang Hübsch spielt das Aufblühen des grummligen Alten entzückend leichtfüßig, Claudius von Stolzmann hat das perfekte komödiantische Timing und ist immer herrlich überrascht von den absurden Wendungen. Susa Meyer ist wunderbar trocken als Sylvie, Larissa Fuchs als Juliette macht deutlich, dass Alex dringend eine andere Freundin braucht und Martina Ebm überzeugt als Flora nicht nur mit Mandarin-Humoreinlage. Werner Sobotkas Inszenierung arbeitet mit mobilen Leinwänden, die einerseits die Telekommunikation illustrieren, andererseits auch Orte wie das Hotel kennzeichnen.

Kurioserweise funktioniert das Happy End, in dem Flora diesen immensen Betrug so kurzerhand verzeiht, in Pierres kuschliger Bücherwand-Bühnenwohnung (Walter Vogelweider) besser als im Film, der mitunter auch als Verharmlosung von Identitätsdiebstahl und Stalking interpretiert werden kann. Vielleicht aber auch, weil man derzeit hungriger auf Happy Ends ist. Solange man sie noch auf einer Theaterbühne erleben kann.