Brunnenkresse, Wasserfloh - Topbedingungen für die Fischzucht. Vor den Fischen im Dorfteich probt Leopold Adam - mit der Angel in der Hand - seinen Vorschlag, die örtlichen Finanzen aufzubessern - mittels Zuchtteichen soll das gelingen. Aber was er dann wirklich aus dem Wasser fischt, ist ganz und gar menschlich: Es ist Eva, sie wollte sich aus Liebeskummer ertränken.

Michael Maertens als Adam beim RadioempfangsgeräuscheSampling. - © Matthias Horn
Michael Maertens als Adam beim RadioempfangsgeräuscheSampling. - © Matthias Horn

Das ist aber eine ganz günstige Fügung des Schicksals, denn wie so eine Sirene aus dem Fabelmeer zeigt sich Eva recht erfolgreich darin, die Männer des Amateur-Fischer-Verbands von Adams Geschäftsidee zu überzeugen. Der Umsatz im "Automatenbüfett", das Adams Frau betreibt, steigert sich nämlich allein durch die Anwesenheit der jungen Frau beträchtlich.

Leidenschaft als windstiller Sturm: Maria Happel als Frau Adam. - © M. Horn
Leidenschaft als windstiller Sturm: Maria Happel als Frau Adam. - © M. Horn

"Automatenbüfett" heißt denn auch das Stück von Anna Gmeyner von 1932, das am Freitag im Akademietheater in einer blaugrauen Inszenierung von Barbara Frey Premiere hatte. Die Bühne (Martin Zehetgruber) ist zweigeteilt, im "Obergeschoß" ist das Teichufer, an dem zwei Selbstmordrettungen eine Klammer um das Geschehen schließen. Im "Erdgeschoß" ist das Lokal mit den vielen kleinen Fensterchen, in denen gefüllte Biergläser auf Münzeinwurf warten. Auch die Musik gibt es auf Knopfdruck: Dann kommt der Pianist (Tommy Hojsa) aus seinem Kabuff und setzt sich an die Tasten.

Stinkerkäse-Raub

Frau Adam ist zum einen damit beschäftigt, einen gemeinen Kasterldieb zu stellen, der bevorzugt Harzer Käse entwendet. Zum anderen sieht sie der Entfremdung ihres Mannes ins Auge. Eva war ihr ja von Anfang an ein Dorn im Auge. Als der Gatte dann auch noch ihr Geld will, um seine Karpfenzucht-Theorie in die Praxis umsetzen zu können, reicht es ihr. Da kommt der immer um sie herumschleichende Pankraz gerade recht. Er muss ihr nur seine Liebe viertelherzig gestehen, schon überweist sie ihm drei Viertel ihres Vermögens. Inklusive Harzer auf Lebenszeit.

Nicht nur hier zeigt das Stück, dass mitunter auch Menschen wie Automaten etwas liefern, wenn man das richtige Knöpfchen drückt. So arbeitet auch Eva, Katharina Lorenz gibt ihr eine weniger erotisch-berechnende, als nüchtern-hemdsärmelige Anziehungskraft. Am Ende hilft es Adam nichts, Michael Maertens schlurft als scheiternder Träumer durch das "Automatenbüfett". Maria Happel ist herzzerreißend in ihrer sachlichen Leidenschaft, die einen windstillen Sturm entfacht. Christoph Luser spielt den Pankraz wie einen Schlafwandler mit Ausdruckstanz-Hintergrund, das unterstreicht die traumartige Atmosphäre. Wie auch die Szene, in der der Fischerei-Verband dem mehr als entschleunigten Radiovortrag vom Schulrat zuhört. Rhythmisch wiegend verschmelzen sie (Dörte Lyssewski, Annamária Láng, Hans Dieter Knebel, Robert Reinagl und Daniel Jesch) zu einem Knäuel aus Narkoleptikern. Aus dem Kollektiv nachhaltig herauszutreten, ist keiner dieser Figuren und Schauspieler gegönnt.

Mobile Heizstrahler stehen auf der Bühne herum, wahrscheinlich gegen die soziale Kälte. So ein Automatenleben, in dem man sich alles selbst machen muss, verströmt ja auch wenig Wärme. Barbara Frey entschied sich für eine meditative Regie - ähnlich der Betrachtung eines Aquariums-, die manchmal auch die Grenze zur Langatmigkeit überschreitet. Am Freitag gab es dafür aber trotzdem anhaltenden Applaus - dass ein Abschied auf Zeit von Veranstaltungen wie dieser bevorsteht, schmerzte wohl auf und unter der Bühne.