Mit ihrer Produktion "The Art of Asking Your Boss for a Raise" hat die Gruppe Toxic Dreams wahrlich Pech. Nach vier Corona-bedingten Verschiebungen hätte sie am 3. November Premiere haben sollen. Der Lockdown landete punktgenau.

Um die monatelange Arbeit nicht ganz ungesehen einzumotten, luden Regisseur Yosi Wanunu, Produzentin Kornelia Kilga und der Veranstalter brut Wien für Montagabend Freunde und Journalisten zur Durchlaufprobe in der Volkshochschule am Schwendermarkt. Noch ahnungslos gegenüber den Anschlägen in der Innenstadt, hielt eine geschliffen perfekte Klanginstallation den erlesenen Kreis in Atem: Altmodische Bürogeräusche vom Schreibmaschinengeklapper bis zum Telefonklingeln vermischten sich mit rasant gesprochenen Texten aus - oder inspiriert von - der englischen Übersetzung von Georges Perecs ironischem Ratgeber "Über die Kunst, seinen Chef anzusprechen und um eine Gehaltserhöhung zu bitten" (1968). Das Publikum saß auf vier Seiten um die Miniaturausgabe eines Großraumbüros, das sechs Schauspieler in meist großer Hast variabel choreografiert durchmaßen.

Schrullig wie das Original. - © Tim Tom
Schrullig wie das Original. - © Tim Tom

Auf der Textebene wagte Wanunu aktuelle Seitenhiebe: Die Bürokollegen trugen Namen berüchtigter Turbokapitalisten, der Abteilungsleiter war abwechselnd Mann und Frau, und Anna Mendelssohn erläuterte in surrealen Überraschungsauftritten ansteckende Krankheiten. So wurde Perecs literarisches Formalexperiment mit Inhalt aufgeladen und blieb doch schrullig wie das Original. Möge es bald aus dem erzwungenen Homeoffice auftauchen.