Nach einem Jahr ohne Saison haben die Bregenzer Festspiele am Donnerstag ihr Programm für 2021 vorgestellt. Verdis "Rigoletto" mit dem Clownkopf feiert auf der Seebühne am 22. Juli coronabedingt ein Jahr verspätet seine Wiederaufnahme. Eröffnet wird das Festival, das sein 75. Jubiläum feiert, am 21. Juli mit Arrigo Boitos "Nero" von 1924 als Hausoper. Vieles vom Programm 2020 konnte auf 2021 verschoben werden, so die Verantwortlichen am Donnerstag.

Eigentlich inszenieren die Festspiele alljährlich Mitte November liebevoll die Präsentation des Programms für das kommende Jahr. Wegen der Pandemie erfolgte die Bekanntgabe für den Jubiläumssommer heuer nur per Aussendung. Nachdem 2020 nur (aber immerhin) "Festtage" möglich waren, soll es 2021 wieder ein großes Festival am See geben. "Wir blicken mit Optimismus und Zuversicht auf das kommende Jahr", sagte Festspielpräsident Hans Peter Metzler und dankte allen "für den Zusammenhalt in dieser herausfordernden Zeit". Dieser Optimismus ist auch am Kartenkontingent ablesbar: An 28 Abenden sind maximal 203.000 Karten für "Rigoletto" aufgelegt (inkl. Crossculture Night und Generalprobe), rund 135.000 Tickets sind bereits gebucht.

Fast die Hälfte der Tickets für 2020 seien ins nächste Jahr umgetauscht worden, zeigte sich Intendantin Elisabeth Sobotka dankbar. Insgesamt sind für den kommenden Sommer 230.000 Tickets verfügbar, die tatsächliche Platzkapazität der Seebühne und anderer Spielorte werde von den dann geltenden Covid-19-Bestimmungen abhängen. Dank der hohen Umtauschrate und des Einsatzes von Sponsoren und Subventionsgebern könne man den Festspiele-Geburtstag mit einem der umfangreichsten Programme feiern, so der kaufmännische Direktor Michael Diem. Zur großen Solidarität der Partner kam als weitere Maßnahme Kurzarbeit für die Mitarbeiter.

Künstler erneut gewonnen

Es sei ein "Geschenk", dass nahezu alle Künstler der "Rigoletto"-Premiere für den Sommer 2021 erneut gewonnen werden konnten, so Intendantin Sobotka. Mit Julia Jones steht 2021 erstmals eine Frau als musikalische Leitung der Seebühnenproduktion am Pult der Wiener Symphoniker. Regisseur Philipp Stölzl sah der Reprise als "Fluchtpunkt am Ende dieser dunklen Zeit" entgegen. Er wünsche sich, dass alle im nächsten Juli feiern können. Bis auf eine "Sequenz, mit der wir nicht ganz happy sind", werde man in der Inszenierung nur Kleinigkeiten verändern. Man wolle nichts verschlimmbessern, zudem seien die Abläufe in dem hochtechnischen Bühnenbild sehr komplex. "Wir haben das Gefühl, dass es so gut dasteht", so Stölzl. Der Clown, der zwischendurch für etwas "Gymnastik" aus seinem Bühnenschlaf erwachte, wird ab dem Frühjahr wieder für seinen Einsatz fit gemacht.

Wie immer in einem Reprisen-Jahr gehört der Auftakt am 21. Juli der Hausoper. Boitos Tragödie "Nero" wird inszeniert von Olivier Tambosi unter musikalischer Leitung von Dirk Kaftan. Damit kommt jenes Team erneut zusammen, das bereits bei "Hamlet" 2016 bei den Festspielen erfolgreich zugange war. Das Stück stelle die Frage, wie der Künstler in der Welt stehe, so Intendantin Sobotka. Eine nicht nur in der Corona-Pandemie aktuelle Frage. Die 75. Ausgabe des Festivals bedeute auch eine 75-jährige Zusammenarbeit mit den Wiener Symphonikern. Das Orchester reist seit 1946 jedes Jahr an den Bodensee. In den Orchesterkonzerten setzt man daher mit Wagners "Rheingold" und Haydns Oratorium "Die Schöpfung" klanggewaltige Schwerpunkte. Beide Festkonzerte werden vom neuen Chefdirigenten Andres Orozco-Estrada geleitet. Ebenfalls neu am Dirigentenpult ist Leo McFall beim Vorarlberger Symphonieorchester. Zu hören sein wird unter anderem Staatspreisträger Thomas Larchers neuestes Orchesterwerk.

Regionale Vernetzung

Gerade im Jubiläumssommer sei es wichtig, neben der internationalen Strahlkraft des Festivals auch die regionale Vernetzung zu betonen, erklärte Intendantin Sobotka. So bedeutet die Uraufführung von "Ihr seid bereits eingeschifft" von Silvia Costa ab 4. Juni eine Reise durch gleich mehrere Bregenzer Kulturhäuser, konkret durch das Festspielhaus, das Vorarlberger Landestheater, das vorarlberg museum und das KUB.

Das Vorarlberger Landestheater am Kornmarkt wird in der Festspielsaison 2021 mehrfach zum Schauplatz. Am 23. Juli feiert dort als Koproduktion mit dem Deutschen Theater Berlin Kleists "Michael Kohlhaas" in der Inszenierung von Andreas Kriegenburg Premiere, unter anderem mit Max Simonischek in der Titelrolle. "Beethoven Goes Africa" heißt es am 28. Juli, wenn das Bochabela String Orchestra & Friends unter Leitung von Klaus Christa spielt. Das Opernstudio, in dem junge Sänger gefördert werden, wird am Kornmarkt ab 16. August Rossinis "Die Italienerin in Algier" geben. Intendantin Sobotka fand es dabei "besonders schön, dass Brigitte Fassbaender für unser Jubiläumsjahr zugesagt hat".

Erstmals kooperieren die Festspiele auch mit dem Bregenzer Theater Kosmos. Gemeinsam beteilige man sich an einem österreichischen Theaterautoren-Wettbewerb mit einem Stück, das bereits auf "Madame Butterfly", das Seebühnenstück für 2022/23, vorausblicke, so Sobotka. Zu sehen ist die Uraufführung von Bernhard Studlars "Lohn der Nacht", das Siegerstück des Wettbewerbs der Österreichischen Theaterallianz.

Opern-Uraufführung

Neues zu hören gibt es auf der Werkstattbühne: Die Uraufführung der Opernatelier-Produktion "Wind" feiert am 19. August Premiere, komponiert vom Vorarlberger Alexander Moosbrugger, räumlich gestaltet von der aus Pristina stammenden bildenden Künstlerin Flaka Halit. Einen weiteren Einblick in das Fortschreiten der Entstehung des Werks erhalten Interessierte bereits im Jänner im Kunsthaus Bregenz. Als Österreichische Erstaufführung zu sehen ist am 29. Juli die in internationaler Koproduktion entstandene interdisziplinäre Filmoper "Upload" von Michel van der Aa. Das Stück unter musikalischer Leitung von Otto Tausk dreht sich um die Frage von Identität in der Ära der künstlichen Intelligenz.

Ein schon gewohnter Gast ist 2021 Nikolaus Habjan. Der Puppenspieler wird nicht nur die Eröffnung gemeinsam mit der Musicbanda Franui gestalten, am 11. August werden die beiden Partner "Alles nicht wahr" mit Liedern von Georg Kreisler im Festspielhaus präsentieren. In der Reihe "Musik & Poesie" wird unter anderem Michael Köhlmeier von "Gold und Geld" erzählen (8. August), "Strozzi - Bach - Larcher" singt am 25. Juli Julian Pregardien. Die Crossculture Night, das Jugendprogramm der Festspiele, unternimmt am 10. Juni eine Fahrt mit der "Zeitreisemaschine".

Erinnerungen gesucht

Passend zum 75. Jubiläum suchen die Festspiele nach Erinnerungen an die Festspielgeschichte. Denn schon in seiner ersten Auflage 1946, als vieles noch improvisiert werden musste, zog das damals noch als "Festwochen" bekannte Festival über 25.000 Gäste an, vor allem zahlungskräftige Schweizer. Wie viele Besucher 2021 Musik am Bodensee genießen werden können, wird sich zeigen. "Wir glauben daran, dass wir spielen werden. Und wir wollen spielen", hieß es am Donnerstag. Die 75. Bregenzer Festspiele dauern von 21. Juli bis 22. August. (apa)