Die Sozialdemokratie ist in schlechter Verfassung, wenn man den Theatermachern von Nesterval glauben mag. Wie passen linke Werte in eine krisengebeutelte turbokapitalistische Welt? Was lässt sich bewahren? Was erneuern?

Solche Fragen nach politischen Überzeugungen, bilden die Folie, vor der sich das ziemlich makabere Spiel "Goodbye Kreisky. Willkommen im Untergrund" entfaltet, das coronabedingt via Zoom-Konferenz stattfindet. Die zweistündige Aufführung ist die Fortsetzung von "Kreisky-Test", das Nesterval während des ersten Lockdowns ebenfalls als Zoom-Performance umsetzte. In "Kreisky-Test" versammelte die fiktive Sozialdemokratin Gertrud Nesterval Polit-Aktivistinnen für ein geheimes revolutionäres Projekt. Um dieses Projekt geht es nun in "Goodbye Kreisky". Die Revolutionärinnen haben die vergangenen 40 Jahre im Untergrund verbracht und ähnlich wie in Gerd Brantenbergs feministischem Klassiker "Die Töchter Egalias" (1977) ein recht eigenwilliges Matriarchat aufgebaut.

Bewahren oder Erneuern? Das ist die Frage, die das Publikum nun zu beantworten hat. Die Zuschauer sind vor den Bildschirmen in Gruppen zu je zwölf Personen zusammengefasst und können via Handzeichen, ähnlich wie im realen Nesterval-Spiel, die Handlung beeinflussen. Die Truppe verbindet gekonnt ihr immersives Theaterformat mit gefilmten Szenen und den spielerischen Möglichkeiten von Zoom-Konferenzschaltungen. Das passt und verfängt.