Auch wenn noch nicht klar ist, wie es nach dem 6. Dezember für die Kulturszene weitergeht, probt das Tanzquartier Wien eifrig für kommende Aufführungen. Am Montag veröffentlichte das Tanzquartier sein Programm für Dezember bis Februar, "in der Hoffnung, trotz der aktuell schwierigen Situation möglichst viel davon umsetzen zu können", wie es in einer Aussendung hieß. Fix stattfinden kann der am Freitag startende Livestream einer 50-Stunden-Performance von Alexander Gottfarb.

Gottfarb, der zuletzt mit 13 Tänzerinnen und Tänzern ein Jahr lang ein leer stehendes Geschäftslokal in der Neustiftgasse bespielte, beweise mit seiner neuen Gruppenchoreografie "Encounters", dass Tanzen "eine Form von hoch qualifizierter und körperlich anspruchsvoller Arbeit ist", heißt es in der Ankündigung. Die Performance wird ab 4. Dezember um 18 Uhr als 50-stündiger Livestream auf www.tqw.at erlebbar sein.

Pläne für 2021

Zumindest auf dem Papier steht das Programm für Jänner und Februar im Tanzquartier fest. Läuft alles plangemäß, widmet sich Michael Turinsky am 8. und 9. Jänner in seinem neuen Solo "Precarious Moves" Fragen der Mobilität, der Mobilisierung und des Widerstands. Ausgangspunkt für neue Arbeiten ist auch die Coronakrise: Der Choreograf Elio Gervasi und die Künstler David Altweger und Mira Loew verweben in "On Abeyance" (14. bis 16. Jänner) audiovisuelles und dokumentarisches Material, das gemeinsam mit Tänzerinnen und Tänzern aus mehreren Ländern während des Lockdowns im Frühjahr entstand.

Cineast Chris Haring hat für die neue Produktion seiner Compagnie Liquid Loft einen Filmtitel von Kultregisseur Jim Jarmusch gewählt: "Stranger than Paradise" (28. bis 30. Jänner). Christine Gaigg setzt ihre Serie von Performances zu Sexualität und ihren gesellschaftlichen Bedingungen fort und widmet sich von 11. bis 13. Februar in "Go for it let go" der weiblichen Ejakulation.

Auch Gastspiele internationaler Künstlerinnen und Künstler sind geplant. In Sorour Darabis Arbeit "Mowgli" (11./12. Dezember) treffen Tanz, Poesie und Storytelling aufeinander. Am 22. und 23. Jänner zeigt das kanadische Duo Andrew Tay und Stephen Thompson mit "Make Banana Cry" eine "humorvolle Auseinandersetzung mit asiatischen Stereotypen in der Popkultur". Jefta van Dinther choreografiert am 19./20. Februar das Solo "Mountains" für Cullberg-Tänzerin Suelem de Oliveira da Silva. Und am 26./27. Februar wird der zweite Versuch gestartet, die Gruppenarbeit "Le Cercle" von Nacera Belaza zu präsentieren, eine "hybride Choreografie aus Sufismus, Breakdance und der nahezu mathematischen Präzision des Modernismus".

In der Theoriereihe wird unter anderem bereits am 4. Dezember die vom Impulse Theater Festival in Nordrhein-Westfalen herausgegebene Publikation "Lernen aus dem Lockdown? Nachdenken über Freies Theater" via Zoom vorgestellt. Im Anschluss diskutiert eine Expertenrunde zum Thema. (apa, red)