Die deutsche Schauspielerin Jutta Lampe ist heute, Donnerstag (3. Dezember) im Alter von 82 Jahren in Berlin gestorben. Lampe arbeitete rund drei Jahrzehnte an der Berliner Schaubühne. Sie war eine der bevorzugten Schauspielerinnen von Peter Stein und Luc Bondy. Außerdem war sie in Margarethe von Trottas Filmen  "Die bleierne Zeit", "Schwestern oder die Balance des Glücks" und "Rosenstraße" zu sehen.

Lampe, am 13. Dezember 1937 in Flensburg geboren, begann ihre Karriere am Staatstheater Wiesbaden. Nachhaltig Aufmerksamkeit zog sie in den 1960er Jahren auf sich, als sie am Theater der Freien Hansestadt Bremen unter dem  Intendanten Kurt Hübner mit den Regisseuren Peter Zadek und Peter Stein zusammenarbeitete und maßgeblich den sogenannten Bremer Stil mitentwickelte, der heute als erster Höhepunkt des Regietheaters gilt.

Jutta Lampes Stern ging in Steins maßstabsetzender Inszenierung von Friedrich Schillers "Kabale und Liebe" auf, in der sie erstmals neben Bruno Ganz und Edith Clever auf der Bühne stand. Jutta Lampe spielte in Zadeks Inszenierung von William Shakespeares "Maß für Maß" und in Steins Inszenierung von Johann Wolfgang von Goethes "Torquato Tasso". 1970 wurde sie von der Fachzeitschrift zur "Schauspielerin des Jahres" gewählt.

"Hüterin der strengen Form"

Als Peter Stein seine Schaubühne am Halleschen Ufer in Berlin gründete, nahm er Jutta Lampe als eine der ersten Schauspielerinnen in das Ensemble auf. Sie spielte 30 Jahre lang an der Schaubühne und arbeitete dabei mit Regisseuren wie Klaus Michael Grüber, Luc Bondy oder Robert Wilson zusammen. 1999 wurde sie vom Intendanten Jürgen Schitthelm gekündigt.

Als ihr 2010 der Joana-Maria-Gorvin-Preis zuerkannt wurde, hielt Botho Strauß die Laudatio. Der Dramatiker nannte sie eine "effektsichere Komödiantin und Hüterin der strengen Form, gläsern zerbrechlich und expressiv sentimental, hier die Deviante, Verwundete, Abgeirrte, dort die extravagante Kunstfigur, artifiziell gerüstet bis in die Fingerspitzen. In Mythen-Begriffen würde man sagen: eine Schaum- und Kopfgeburt, gleichermaßen aus Vernunft und Sinnlichkeit entsprungen."

Für viele Fachleute galt Jutta Lampe als eine der bedeutendsten deutschsprachigen Nachkriegs-Schauspielerinnen. Sie war überzeugt von der Notwendigkeit eines festen Ensembles, denn nur auf diese Weise könne Vertrauen entwickelt werden. Und sie war skeptisch gegenüber der Dekonstruktion von Theatertexten. In einem Interview mit der FAZ sagte sie: "Ich bin trotz der verschiedenen Ästhetiken, die ich kennenlernen durfte, nie auf die Idee gekommen, an großen Texten etwa von Schiller, Goethe oder Kleist zu zweifeln oder sie zertrümmern zu wollen." (eb/apa)