Lars Eidinger und Verena Altenberger sind das neue Traumpaar der Salzburger Festspiele: Eidinger wird 2021 die Rolle des "Jedermann" beim Spiel am Domplatz übernehmen, wie die Festspiele am Freitag in einer Aussendung ankündigten. Der 44-jährige Berliner folgt damit auf Tobias Moretti, der bereits angekündigt hatte, heuer das letzte Mal den reichen Mann gespielt zu haben.

Auch an der Seite des Jedermanns im gleichnamigen Drama von Hugo von Hofmannsthal gibt es einen Wechsel: Film- und TV-Star Verena Altenberger wird die neue Buhlschaft der Festspiele werden. Die 33-jährige Salzburgerin ersetzt damit Caroline Peters, welche die ebenso legendär kurze wie viel beachtete Rolle heuer erstmals interpretiert hatte.

 Film- und TV-Star Verena Altenberger wird die neue Buhlschaft der Festspiele werden. Die 33-jährige Salzburgerin ersetzt damit Caroline Peters, welche die ebenso legendär kurze wie viel beachtete Rolle heuer erstmals interpretiert hatte. - © APAweb /dpa, Matthias Balk
 Film- und TV-Star Verena Altenberger wird die neue Buhlschaft der Festspiele werden. Die 33-jährige Salzburgerin ersetzt damit Caroline Peters, welche die ebenso legendär kurze wie viel beachtete Rolle heuer erstmals interpretiert hatte. - © APAweb /dpa, Matthias Balk

Verena Altenberger: "Ein Traum geht in Erfüllung"

Begonnen hat es in "Die beste aller Welten", nun geht es für Verena Altenberger auf wohl eine der besten Sprechtheaterbühnen, die man sich vorstellen kann: Die gebürtige Salzburgerin ist ab kommendem Jahr als neue Buhlschaft im "Jedermann" an der Seite von Lars Eidinger bei den Salzburger Festspielen zu erleben. Ein Heimspiel für die erfolgreiche Schauspielerin, die sich in den vergangenen Jahren in Kino und Fernsehen einen Namen gemacht hat.

Geboren wurde Verena Altenberger am 11. November 1987 in Schwarzach im Pongau. In Wien studierte sie Schauspiel und Kommunikationswissenschaft, wobei die mehrsprachige Mimin - ihre Website listet neben Deutsch und Englisch etwa Italienisch, Französisch, Spanisch, Türkisch und Jiddisch auf - zuvor noch eine äußerst sportliche Seite auslebte. In ihrer Jugend war Altenberger als Kunstturnerin aktiv, später auch als Tänzerin.

Erste Bühnenerfahrungen sammelte sie unter anderem an Burg- und Volkstheater, bevor dann der Wechsel vor die Kamera folgte, der ihr Leben in den vergangenen Jahren maßgeblich prägte. Der Durchbruch gelang der heute 33-Jährigen in der RTL-Sitcom "Magda macht das schon", in der sie als polnische Altenpflegerin ziemlich schlagfertig den Alltag der Familie Holtkamp auf den Kopf stellt. Vier Staffeln wurden bisher produziert.

Die ganz große Kinobühne betrat Altenberger gemeinsam mit einem Salzburger Kollegen, dem Regisseur Adrian Goiginger: Sein Debütfilm "Die beste aller Welten", in dem Goiginger seine eigene Kindheit mit einer drogenabhängigen Mutter behandelte, war 2017 ein Riesenerfolg und heimste etliche Preise ein. So auch Altenberger, die für ihre intensive Darstellung der Mutter etwa den Österreichischen Filmpreis erhielt. "Ich hatte das Glück, mit 'Magda macht das schon' und 'Die beste aller Welten' Rollen zu bekommen, mit denen ich mich beweisen konnte", hielt die Schauspielerin später in einem APA-Interview fest. "Das ist eine Chance, auf die man wartet. Ich sage mal: Das Glück trifft die Vorbereitete - aber nichtsdestotrotz braucht man dieses letzte Quantum Glück dann auch."

Genutzt hat sie dieses Glück in jedem Fall, folgten seitdem doch etliche Rollen wie in David Schalkos "M - Eine Stadt sucht einen Mörder" (hier drehte sie bereits mit Eidinger), dem Geschichtsdrama "Das Wunder von Wörgl" an der Seite von Karl Markovics oder zuletzt der von Wolfgang Murnberger inszenierten Komödie "Schönes Schlamassel", die erst vorgestern ihre ORF-Premiere feierte. Aber in auch Fernsehdauerbrennern wie dem "Tatort" oder der ORF-Reihe "Landkrimi" war Altenberger bereits zu sehen. Seit dem Vorjahr ist sie zudem fixe Ermittlerin im Münchner "Polizeiruf".

Und nun der Sprung zu den Salzburger Festspielen als Buhlschaft - eine Rolle mit viel Aufmerksamkeit, aber nur wenig Text. "Mir ist das herzlich egal, ob eine Rolle stundenlang an der Rampe monologisiert, ob sie zwei Minuten auf einem Bildschirm auftaucht oder einen epochalen Kinofilm trägt", wird Altenberger dazu von den Festspielen zitiert. "Durch intensive Vorbereitung und durch Einfühlen werde ich zur Expertin für eine Rolle, sie wird mein absoluter Mittelpunkt."

Überlegen habe sie jedenfalls nicht müssen, ob sie diese Anfrage annehmen soll. "Die Buhlschaft zu spielen und damit auch den magischen Festspielsommer in Salzburg direkt in dessen Epizentrum zu erleben, ist ein Kindheitstraum von mir", so Altenberger. "Und der geht jetzt in Erfüllung - das macht einen großen Teil des Reizes für mich aus." Allen voran interessiere sie "das emanzipatorische Erwachen dieser jungen Frau", wobei es natürlich auch um das Machtgefälle zwischen Jedermann und Buhlschaft gehe. "Und natürlich assoziiere ich auch die Erotik und die Verführung mit der Buhle, aber ich lese sie womöglich etwas anders."

Auf die Zusammenarbeit mit "ihrem" Jedermann Lars Eidinger freue sie sich schon sehr. "Er ist ein Kollege, der viel Energie gibt und der ganz offen auf das Spiel eingeht. Ich freue mich auf die Probenzeit - bei unserem gemeinsamen Dreh hatten wir natürlich viel weniger Zeit, um zusammen etwas zu erfinden, diesen gemeinsamen Proben-'Luxus' gibt es nur am Theater." Bis es losgeht, werde sie jedenfalls viele ältere Aufzeichnungen anschauen. "Der 'Jedermann' ist für mich ein Stück, das gerade in Salzburg mit der Stadt und ihren Menschen verwoben ist. Das Stück ist ein Teil der Salzburger DNA und insofern nicht wegzudenken."

Der neue Jedermann Lars Eidinger: "Ich hatte insgeheim immer gehofft"

Lars Eidinger zählt sicher zu den prominentesten deutschsprachigen Schauspielern der Gegenwart. Als Star des Berliner Schaubühnen-Ensembles war er Hamlet, Richard III. und zuletzt Peer Gynt, auf der Kinoleinwand hat er sich ins Gedächtnis der Zuschauer ebenso eingeprägt wie in vielen Fernsehrollen. 2021 wird der 44-jährige Berliner als Nachfolger von Tobias Moretti der neue Jedermann der Salzburger Festspiele. Er werde der Rolle "ein ganz neues Leben einhauchen", hieß es.

Er sei "ein unglaublich vielschichtiger Künstler", rühmte man Eidinger heute seitens der Festspiele. "Seine große Qualität liegt in der Erarbeitung von äußerst komplexen Figuren: Sie sind direkt, radikal, liebenswürdig, charmant, verführerisch gewinnend und bohren sich in unser Bewusstsein und ins Unbewusste, sodass sie uns dauerhaft begleiten." Gleichzeitig ist der ebenso charismatische wie eigenwillige Schauspieler wie geschaffen für die "Jedermann"-Bühne, die nicht nur die große Geste, sondern auch eine Übung im Umgang mit medialer Aufmerksamkeit verlangt: Im Zentrum zu stehen ist er gewohnt. Gleichzeitig ist er als Musiker, Fotograf oder als DJ künstlerisch vielseitig unterwegs.

Lars Eidinger wurde am 21. Jänner 1976 im Westteil Berlins geboren und studierte an der renommierten Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin. In seiner Schauspielklasse waren damals auch Nina Hoss, Devid Striesow und Fritzi Haberlandt. 1999 kam Eidinger als festes Ensemblemitglied an die Berliner Schaubühne - wo er bis heute engagiert ist. Legendär wurden sein Richard III. und sein Hamlet, den er bereits über 350 Mal gezeigt hat, Gastspiele in Moskau, Paris, Jerusalem und Istanbul inklusive. Der 165 Minuten lange und ohne Pause gespielte Abend habe "etwas Euphorisches und Rauschhaftes", erklärte der Schauspieler. "Deshalb arbeite ich wahrscheinlich auch so viel. Das ist wie eine Droge." 2011 gab er in William Shakespeares "Maß für Maß" sein Debüt bei den Salzburger Festspielen.

Sein Durchbruch auf der Kinoleinwand gelang Eidinger mit Maren Ades Beziehungsdrama "Alle anderen" 2008 an der Seite von Birgit Minichmayr. Seine Filmografie ist seither lange und vielfältig. "Tatort"-Rollen sind ebenso darunter wie Filme mit Peter Greenaway ("Goltzius & The Pelican Company"), Olivier Assayas ("Personal Shopper" mit Kristen Stewart), Lars Kraume ("Terror" u.a.) und Tim Burton ("Dumbo"). Er spielte in "Mackie Messer - Brechts Dreigroschenfilm" (2017) ebenso wie in den "Persischstunden" von Vadim Perelmann (2018) und in der Fernsehserie "Babylon Berlin". In Russland stand er für Aleksey Uchitels Drama "Matilda" als Zar Nikolaus II. vor der Kamera. In der BBC-Thrillerserie "SS-GB" über die fiktive Besetzung Großbritanniens durch Hitlers Schergen spielt er einen Nazi.

2018 erhielt er den Österreichischen Filmpreis als "Bester männlicher Darsteller" in "Die Blumen von gestern", heuer den Bayerischen Filmpreis als "Bester Darsteller" in "25 km/h". Sein Film "Schwesterlein" (von Stephanie Chuat und Veronique Reymond) ist heuer der Schweizer Beitrag für den Auslands-Oscar. Zuletzt war er in "Gott von Ferdinand von Schirach" im deutschen Fernsehen zu sehen.

"Ich hatte insgeheim immer gehofft, irgendwann für die Rolle des Jedermann angefragt zu werden, - und die Tatsache, dass ich mich damit nun in die Ahnengalerie der größten deutschsprachigen Theaterschauspieler einreihe, ist eine große Ehre, die mir zuteilwird. Ich bin dafür sehr dankbar. Es ist ein Lebenstraum, der in Erfüllung geht", wird Eidinger heute von den Salzburger Festspielen zu seiner neuen Herausforderung zitiert. Bei seiner Interpretation der Rolle komme ihm eine Erkenntnis zu Hilfe, die er bei "Brechts Dreigroschenfilm" gewonnen habe, nämlich, "dass die Räuber laut Brecht keinem romantisch verklärten Bild einer Gangsterbande entsprechen dürfen, sondern die Bürger selbst sind. Wir sind die Räuber. Jedermann. Diese Herangehensweise fordert mich heraus."

"Die Konflikte im 'Jedermann' sind universell und elementar. Der Mensch wird in all seinen Facetten und Abgründen durchleuchtet. Es ist ein Spiegelkabinett oder -labyrinth, an dessen Ende der Spiegel selbst in den Spiegel sieht. Es lädt den Zuschauer ein sich darin zu erkennen. Und darum geht es in der Kunst um Selbstreflektion und Erkenntnis. Wir sind Jedermann", meint Eidinger, der von seinen Vorgängern bisher nur Nicholas Ofczarek auf dem Domplatz und Tobias Moretti in der Aufzeichnung gesehen hat und für den Gert Voss "der Größte" war. Seine Buhlschaft Verena Altenberger kennt er vom Dreh zu David Schalkos Adaption von "M - Eine Stadt sucht einen Mörder": "Ich glaube, dass man mit ihr sehr weit gehen kann, weil wir uns vertrauen."

Seine Herangehensweise an den Jedermann werde von Hamlet beeinflusst sein, sagt er in dem Festspiel-Interview: "Ich habe jetzt über 350 Mal Hamlet gespielt und mir immer wieder die Frage 'Sein oder nicht sein' gestellt. Es gibt keine elementarere Frage", so Eidinger. "Der Tod ist Stillstand. Daher lautet Hamlets letzter Satz auch 'Der Rest ist Stille' - nicht 'Schweigen' wie es bei Schlegel fälschlicherweise übersetzt ist. 'Silence' braucht keine Anwesenheit im Gegensatz zu 'Schweigen'. Mit Stille ist ein paradiesischer Zustand gemeint. Das sind Gedanken und Erkenntnisse, die ich über die Auseinandersetzung mit Hamlet gewonnen habe - und ich bin sehr gespannt, was mir Jedermann erzählt."

Die "Buhlschaft" und der "Jedermann" seit 1920

Im Folgenden ein Überblick über die Darsteller von "Jedermann" und "Buhlschaft" bei den Salzburger Festspielen seit 1920:

JEDERMANN

1920-1921/1926-1931 Alexander Moissi

1932-1934 Paul Hartmann

1935-1937 Attila Hörbiger

1946 Ewald Balser

1947-1951 Attila Hörbiger

1952-1959 Will Quadflieg

1960-1968 Walter Reyer

1969-1972 Ernst Schröder

1973-1977 Curd Jürgens

1978-1982 Maximilian Schell

1983-1989 Klaus Maria Brandauer

1990-1994 Helmuth Lohner

1995-1998 Gert Voss

1999-2001 Ulrich Tukur

2002-2009 Peter Simonischek

2010-2012 Nicholas Ofczarek

2013-2016 Cornelius Obonya

2017-2020 Tobias Moretti

2018 Philipp Hochmair (am 9., 11., 12., 14. und 16.

August als Einspringer für den erkrankten Tobias

Moretti)

2021 - Lars Eidinger

BUHLSCHAFT

1920-1921 Johanna Terwin

1926-1937 Dagny Servaes

1946 Grete Zimmer

1947 Elfi Gerhart

1948-49 Maria Becker

1950-1951 Judith Holzmeister

1952 Lola Müthel

1953-1955 Heidemarie Hatheyer

1956-1959 Martha Wallner

1960 Sigrid Marquardt

1961-1962 Ellen Schwiers

1963 Maria Emo

1964 Anna Smolik

1965-1966 Eva Kerbler

1967-1968 Nadja Tiller

1969-1972 Christiane Hörbiger

1973 Nicole Heesters

1974 Christiane Hörbiger (bis auf eine Vorstellung

eingesprungen für Senta Berger)

1974-1978 Senta Berger

1979 Christiane Buchegger

1980-1982 Senta Berger

1983-1986 Marthe Keller

1987-1989 Elisabeth Trissenaar

1990-1993 Sunnyi Melles

1994-1997 Maddalena Crippa

1998 Sophie Rois

1999-2001 Dörte Lyssewski

2002-2004 Veronika Ferres

2005-2006 Nina Hoss

2007 Maria Bäumer

2008-2009 Sophie von Kessel

2010-2012 Birgit Minichmayr

2013-2015 Brigitte Hobmeier

2016 Miriam Fussenegger

2017-2018 Stefanie Reinsperger

2019 Valery Tscheplanowa

2020 Caroline Peters

2021 - Verena Altenberger