Zwei Musiker, zwei Lockdown-Erfahrungen. Sowohl Andreas Brencic als auch Lorenz Spritzendorfer haben die Coronakrise als freischaffende Musiker erlebt. Während sich Brencic jedoch über nachgeholte Auftritte und Aufträge für Arrangements freut, hat es Spritzendorfer, der in zahlreichen verschiedenen Bands vor allem live spielt, härter getroffen. Immerhin konnte er die Zeit nutzen, um eine neue CD aufzunehmen.

"Ich habe im Vergleich zu vielen anderen Kollegen Glück gehabt", sagt Brencic, der seit dem Sommer als musikalischer Leiter im Vindobona verpflichtet ist und auch mit seiner Tätigkeit als Lehrender am "Performing Center Austria" ein festes Standbein hat. "Viele Auftritte, die im ersten Lockdown abgesagt wurden, konnten - manchmal in veränderter Form - nachgeholt werden", freut er sich im Gespräch mit der APA. So habe das Musikfestival Steyr, für das er ein Musical vorbereitet hatte, immerhin mehrmals eine nicht-szenische Musical-Show gestaltet. Auch den Halloween-Abend im Vindobona konnte er gerade noch vor dem "sanften Lockdown" auf die Bühne bringen. Die Proben für die Weihnachts-Dinner-Show waren jedoch umsonst. Immerhin konnte man einen zehnminütigen Ausschnitt für ORF III aufzeichnen, dazu gab es eine Probenpauschale. Nun will man für das "Culinarical" proben, das am 14. Jänner im Vindobona Premiere feiern soll.

Stehe vor finanziellen Problemen

"In diesem Dezember ist es das erste Mal seit 15 Jahren, dass ich nicht jeden Abend einen Auftritt habe. Mein Kalender war bereits voll", seufzt Brencic, der im Frühjahr auch beim Härtefall-Fonds angesucht hat, um akute Ausfälle aufzufangen. "Ich stehe jetzt nicht vor finanziellen Problemen, aber es fällt doch ein großer Brocken weg." Vereinzelt gab es Ausfallshonorare, sogar seitens des Theaters L.E.O., für das er zwei Mal bei einem Spendenaufruf-Video mitgewirkt hat. "Es war ein Glück, dass sich viele Veranstalter darum bemüht haben, dass zumindest irgendwas ausgezahlt wird."

Ein weiteres Standbein des Pianisten und Korepetitors sind Arrangements und Noten, die er auf Auftragsbasis liefert, so etwa für die Volkskultur Niederösterreich, die im Frühjahr Noten für das "Balkonsingen" brauchte. Das mache aber nur etwa ein Viertel seines Einkommens aus. Die meisten Aufträge sind mit Auftritten verbunden. Auch das Unterrichten sei schwierig gewesen, da er in der privaten Musicalausbildung nicht nur Musiktheorie, sondern auch Gehörbildung unterrichtet. In größeren Gruppen sei das via Videokonferenz kaum machbar. Dennoch war der erste Lockdown für ihn "irgendwie eine gemütliche Zeit, in der meine Freundin und ich zum Beispiel eine neue Homepage gemacht haben", so Brencic. Was er dennoch "mühsam" findet, sind die kurzfristigen Ankündigungen der Regierung, die ein Vorausplanen schwer machen. "Man ist eh motiviert, aber ohne Perspektive ist es dann doch anstrengend."

"Spiele in sieben oder acht Bands"

Deutlich weiter hinten liegt der nächste Auftritt des Saxophonisten Lorenz Spritzendorfer, der die Auftrittsflaute mit seinen Kollegen von The Horny Funk Brothers genützt hat, um im Home-Studio die CD "Funky Is The Way We Roll" aufzunehmen, die am 6. März im Porgy & Bess präsentiert werden soll. Die ausgefallene Ball-Saison trifft Spritzendorfer, der "in sieben oder acht Bands" spielt, hart. Auch seine Party-Bands hatten in diesem Jahr wenig Auftritte. "Die Leute wollen ja tanzen und nicht auf zugewiesenen Sitzplätzen sitzen", so der Musiker, der durch Auftrags-Arrangements und Zuwendungen aus diversen Hilfsfonds auf etwa zwei Drittel seines üblichen Einkommens kam.

"Natürlich würde ich mein Geld lieber auf der Bühne verdienen statt durch Anträge", seufzt er. Zum Glück habe seine Ehefrau einen fixen Job, sonst wären die Probleme noch größer. Er habe zwar einen Polster gehabt - "wenn ich mir die Hand breche, kann ich ja auch zwei Monate nicht auftreten" -, aber mit einem Jahr Einnahmenausfall habe niemand rechnen können.

Schließlich sind auch große Auftritte auf Festivals ausgefallen, etwa mit Marc Pircher, Rats Are Back oder der Wolfgang Lindner-Band. Letztere habe zuletzt immerhin bei der Aufzeichnung der "Silvester Show" in Offenburg mitgewirkt. Auch auf das Jahr 2021 setzt Spritzendorfer nicht, da Veranstalter ja bis zu einem Jahr im Voraus planen müssten, was derzeit nicht möglich sei. "Die Kulturbranche war die erste, die geschlossen wurde und wird vermutlich die letzte Branche sein, die wieder öffnen wird." Von der Regierung würde er sich wünschen, "genauer hinzusehen. Es gab und gibt gute Konzepte, um Konzerte durchzuführen, im Sommer hat das auch ohne nachgewiesene Infektionen gut funktioniert." (apa)