Die Überraschung ist dem Burgenland jedenfalls gelungen. Landeshauptmann Hans Peter Doskozil erhob Alfons Haider am Mittwoch in den Rang eines "Generalintendanten", zuständig für das Operettenfestival Mörbisch und eine Opernreihe namens "Jopera" in Jennersdorf. Haider, 63-jähriger Bühnendarsteller und Moderator, soll das neue Amt (de facto eine Doppelintendanz) ab Jänner bekleiden. Das Auswahlverfahren sei von einer Personalberatungsfirma begleitet worden, das Ergebnis befriedigt Doskozil vollauf: Haider sei "ein Erfolgsgarant", um "unsere Festivals noch besser ins nationale und internationale Scheinwerferlicht zu rücken".

Branchenkenner sind sich da weniger sicher. Ihnen bereitet nicht nur die Frage Sorgen, wie Haider mangels einschlägiger Erfahrung ein Opernfestival "strategisch weiterentwickeln" soll. Auch an seiner Bestimmung zum Mörbisch-Intendanten herrschen Zweifel. Stimmt zwar: Haider steht mit der leichten Muse auf Du und Du, hat das Open Air Festival Stockerau mehr als zehn Sommer mit Musicals bespielt. Nach Jahren des soliden Stadtplatzglamours und manch künstlerischem Bauchfleck ("C’est la vie") trennte sich die Stadt allerdings aus Kostengründen vom Intendanten und dem Musicalfach.

Dass Haider nun just in Mörbisch eine zweite Chance erhält, wirft eine weitere Frage auf: Wie passt ein Musical-Fan ins traditionelle "Mekka der Operette"? Zumindest diesbezüglich bescherte der Mittwoch einen Aha-Effekt: Die Festspiele, hieß es, sollten ihre Genre-Beschränkung aufgeben.

Edelmann pocht auf Vertrag

Ein anderes, ziemlich pikantes Thema kam dagegen nur am Rande zu Wort: Dass Mörbisch schon einen amtierenden Chef hat - nämlich Peter Edelmann. Der Opernfachmann wurde von Ex-Kulturlandesrat Helmut Bieler für die Jahre 2018 bis August 2022 verpflichtet. Wird Edelmann, Verfechter einer eleganten Operettenästhetik mit zuletzt 120.000 Besuchern nach eigenen Angaben, nun sein Büro räumen müssen - oder künftig Haider unterstehen?

Weder noch, erklärt er der "Wiener Zeitung" am Telefon. "Ich habe einen Vertrag als künstlerischer Leiter, da kann mir keiner dreinreden", sagt er und will seine Pläne am Neusiedler See umsetzen: Im Sommer 2021 soll die "West Side Story" (heuer fertiggeprobt und aus Covid-Gründen verschoben) auf die Bühne gelangen, 2022 eine der bekanntesten Operetten neben der "Fledermaus" folgen. Der Bühnenbildner dafür sei schon gefunden, Edelmann selbst singe mit.

Wie frei er dabei aufspielen kann, wird sich aber noch weisen. Zwar gibt Doskozils Büro der "West Side Story" grünes Licht, wünscht sich für 2022 aber eine Teamplanung von Haider und Edelmann. Keine Sorge, heißt es amtsseitig: Die beiden würden den Sommer "mit großer Professionalität abwickeln". Bleibt abzuwarten, ob dann auch Haider mitsingt.