Zehn Jahre nach Kriegsende startete vor 65 Jahren - genau am 21. Dezember 1955 - in Wien der Spielfilm "Sissi" über die österreichische Kaiserin Elisabeth in den Kinos. Das Werk trat einen Siegeszug an, aus dessen Vehemenz sich Hauptdarstellerin Romy Schneider später mühsam befreien musste. Heute gehört die Kitschtrilogie zum Standardrepertoire der Weihnachtsfeiertage. So zeigt ORF 2 am 25. und 26. Dezember die Reihe.

Den Auftakt macht um 13.05 Uhr am 25. Dezember "Sissi", dem sich sogleich um 14.45 Uhr "Sissi, die junge Kaiserin" anschließt. Tags darauf beschließt ab 13.10 Uhr "Sissi - Schicksalsjahre einer Kaiserin" die Trilogie. Der österreichische Regisseur Ernst Marischka (1893-1963) hatte die junge Romy Schneider vor dem ersten "Sissi"-Film schon in "Mädchenjahre einer Königin" über die britische Monarchin Victoria (1819-1901) eingesetzt - und neben Hans Moser und Paul Hörbiger auch im Wiener-Militärmarsch-Film "Die Deutschmeister".

"Sissi" von 1955 beginnt 1853 in Possenhofen am Starnberger See. Herzog Max von Bayern lebt mit seiner Frau und den vielen Kindern, darunter die Töchter Helene (Nene) und Elisabeth (Sissi), ein beschauliches Leben. Die Schwester seiner Frau Ludovika ist die Mutter des österreichischen Kaisers und möchte Franz Joseph (23) mit Helene (19) verheiraten. Zur Verlobung lädt sie Ludovika und deren älteste Tochter nach Bad Ischl bei Salzburg ein. Sissi fährt mit.

Unzählige Male im Fernsehen

Die burschikose Sissi lernt bei einem Reißaus zufällig den jungen Kaiser kennen, sagt aber nicht, wer sie ist. Der junge Monarch ist hingerissen von der natürlichen Elisabeth und verkündet später beim Empfang zum Entsetzen seiner Mutter die Verlobung mit Sissi - statt mit Nene. Über die Donau reist Sissi in ihre neue Heimat Österreich.

Den komödiantischen Part in dem Unterhaltungsklassiker, der unzählige Male im Fernsehen wiederholt worden ist, übernehmen Erich Nikowitz und Josef Meinrad. Nikowitz (1906-1976) spielt Franz Josephs Vater Erzherzog Franz Karl, der vorgibt, schwerhörig zu sein, und Meinrad (1913-1996) den tollpatschigen Major Böckl, der den Kaiser in Ischl beschützen soll und Sissi für eine Attentäterin hält.

Eine Rolle wie Griesbrei

Die zierliche Romy Schneider schrieb während der Dreharbeiten im September 1955 in ihr Tagebuch, dass die Perücke "so ungewohnt und anstrengend" zu tragen sei; sie bekomme von dem Gewicht eine "Genickstarre, als säße man in der ersten Reihe im Kino". Später beklagte sich die Schauspielerin über die "Sissi"-Filme, die Rolle klebe an ihr "wie Grießbrei". "Das war bestimmt richtig damals. Aber dann wollte ich halt eines Tages nicht mehr die Prinzessin sein."

Einen vierten Film lehnte Schneider nach dem beiden Fortsetzungen 1956 und 1957 folgerichtig trotz Millionengage ab. 1972 trat sie trotzdem noch einmal als realistischere Sisi in der kunstvollen Verfilmung "Ludwig II." von Luchino Visconti (1906-1976) auf - an der Seite von Helmut Berger als Bayerns männerliebendem Märchenkönig. (apa/dpa)