"Hallo! Schön, dass sie da sind", mit diesen Worten begrüßt Michael Maertens das Publikum, das am Silvesterabend via Live-Stream ins Kasino am Schwarzenbergplatz geschaltet ist. "Es ist alles andere als ideal, wie wir uns hier begegnen", gestattet sich der Burg-Schauspieler bei seinem Monolog "Die Maschine in mir (Version 1.0)" einen Exkurs in das finstere Herz des Theater-Streamings.

Seit der Pandemie bedingten Zwangspause verlegten viele Theaterhäuser ihre Aufführungen ins Internet, um zumindest über digitale Kanäle mit dem Publikum in Verbindung zu bleiben. Weltweit haben viele Bühnen in den vergangenen Monaten mit beträchtlichem Aufwand versucht, einen veritablen Online-Spielbetrieb aufrecht zu erhalten, das Burgtheater hat hier vergleichsweise wenig unternommen. Die Uraufführung von "Die Maschine in mir (Version 1.0)" ist so etwas wie ein Pilotprojekt bei der Verknüpfung analoger und digitaler Spielweisen - und ist durchaus gelungen.

Der Inhalt des Monologs - eine Art Einführung in den Transhumanismus und dessen Vision einer Mensch-Maschinen-Verschmelzung - passt und verfängt mit der Form der Darbietung: Maertens spricht einmal live auf der leeren Bühne, dann wiederum sieht man vorab aufgezeichnete Sequenzen am Bildschirm, fallweise interagiert der leibhaftige Maertens mit seinem Doppelgänger am Tablet, besonders gewitzt choreografiert sind jene Szenen, in denen der Akteur direkt mit dem Publikum kommuniziert, das mittendrin einschläft oder ihn bei seinen Bemühungen auslacht.

Wie das geht? Technik macht’s möglich. Wer eine Karte für "Die Maschine in mir (Version 1.0)" erwirbt, wird gebeten, drei Fotos von sich hochzuladen: einmal ernst dreinblickend, zweitens herzhaft lachend, schließlich eines mit geschlossenen Augen. Die Aufnahmen werden während der Vorstellung auf die Zuschauertribüne projiziert, das Publikum ist also via Bildschirm im Theaterraum anwesend und wird zum ferngesteuerten Mitspieler. Das hat schon was.

Dem britisch-irischen Regie-Duo Dead Centre mit den Masterminds Bush Moukarzel und Ben Kidd glückt eine durchaus überzeugende Umsetzung: Sie erlauben sich einige technische Spielereien, ohne allzu töricht mit der Online-Regietrickkiste herum zu albern.

Maertens wahrt bei all dem Geflimmer Contenance, ein guter Kontrast zur Dominanz der Bildschirme und dem überhitzten Thema des 45-minütigen Monologs. Der Text basiert auf dem Bestseller "Unsterblich sein" des Journalisten Mark O’Connell, ein Reportageband in die Welt der Transhumanisten, die die Grenzen der Biologie einreißen wollen, um die Menschheit technisch zu optimieren. Krude Science Fiction oder längst teilweise Realität? Diese Fragen umkreist Maertens in seinem Monolog. Streben wir wirklich Unsterblichkeit in der iCloud an? Auf ewig Bits and Bytes?