In äußerst engen Räumlichkeiten ist es freilich nicht möglich, das Hauptaugenmerk eines Ballettstücks auf eine besonders raffinierte Choreografie zu richten. Verständlicherweise hat der spanische Choreograf José Carlos Martínez in der "Margherita-Polka" von Josef Strauß den Fokus auf die Tänzerinnen und ihre darstellerischen Fähigkeiten gerichtet: In eigens kreierten Kostümen des Modeschöpfers Christian Lacroix tänzelt Davide Dato gemeinsam mit Alice Firenze, Sveva Gargiulo und Ketevan Papava durch das Looshaus in der Wiener Innenstadt. Passend zu dem von Adolf Loos geschaffenen Bauwerk der Wiener Moderne, sind es kurzlebige neckische Spielerein in Kostümen der 1920er Jahre.

Farbenfroh mit Lacroix

Das Ensemble des Wiener Staatsballetts demonstriert hingegen im "Frühlingsstimmenwalzer" von Johann Strauß Sohn die ganze Palette der Wiener Walzerseligkeit: Elegant und farbenfroh walzen im Dreivierttakt bei Sonnenschein - die Aufnahmen entstanden bereits im August 2020 - zehn Solisten durch die prunkvollen Räume und Anlagen des Gartenpalais Liechtenstein. Hier ist Choreograf Martínez in seinem klassischen Element, wenn etwa Liudmila Konovalova und Denys Cherevychko traditionelle Ballettschritte neben einer Prunkkutsche leichten Fußes zeigen oder Eszter Ledán und Zsolt Török in der Parkanlage miteinander schäkern - klassisch elegant selbstverständlich. Selbst Schotter-, rutschiger Holzboden oder gar eine Wiese können diese Eleganz nicht mindern.