Mit einem baldigen Wiederaufsperren der Theaterhäuser ist wohl nicht zu rechnen: Die jüngsten Entwicklungen rund um die britische, deutlich ansteckendere Virus-Mutation geben Anlass zur Sorge. Wie die "Wiener Zeitung" berichtete, trafen am Dienstagnachmittag die Intendanten führender Häuser mit Kulturminister Werner Kogler und Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer zu einer Videokonferenz zusammen. Das Ergebnis der Gespräche dürfte ernüchternd gewesen sein.

"Wer jetzt überhaupt an einem Spielplan arbeitet, macht etwas falsch. Jetzt können wir leider nur abwarten", sagte Herbert Föttinger nach der virtuellen Zusammenkunft gegenüber der APA. Der Direktor der Josefstadt gehört seit Beginn der Corona-bedingten Zwangspause zu den Wortführern der Branche, sein Credo lautete stets, dass die Theater aufgrund der Präventionskonzepte sichere Orte seien. Nun sagt sogar er: "Es wird eine neue Strategie geben müssen."

Gleichstellung mit Gastronomie gefordert

Die Kultureinrichtungen stellen sich notgedrungen darauf ein, dass bei einem Wiederaufsperren gültige Covid-19-Tests Bedingung für einen Besuch sein könnten. Wie sich das im täglichen Theaterbetrieb umsetzen lässt, ist derzeit noch offen. Christian Kircher, Chef der Bundestheater-Holding, äußerte gegenüber der "Wiener Zeitung" jedenfalls die Prognose: "Es wird für Veranstalter eine Form der ‚neuen Normalität‘ bleiben, in Alternativen zu planen."

Dabei pochen die Intendanten auf eine Gleichstellung mit der Gastronomie – es wäre widersinnig, argumentieren sie, wenn man zu Restaurants und Bars freien Zugang hätte, der Besuch von Kultureinrichtungen aber nur unter Vorweis eines negativen Tests gestattet wäre. Derzeit gibt es keinen Zeithorizont für ein Ende des Kulturlockdowns, er könnte womöglich bis zum Frühjahr dauern. Nur die Debatten um die Rahmenbedingungen für einen Neustart der Branche halten an.

"Realistische Bedingungen"

Bekanntlich will die Regierung am Donnerstag ein Gesetz beschließen, das für die Zeit nach dem aktuellen Lockdown "Eintrittstests" für etliche Bereiche des öffentlichen Lebens vorsieht, darunter auch für den Kultursektor. Die SPÖ hatte ursprünglich ihre Zustimmung signalisiert, sich in den Vortagen aber an Details gestoßen. SP-Kultursprecher Thomas Drozda will am Donnerstag jedenfalls einen Entschließungsantrag im Nationalrat einbringen, der auf "realistische Rahmenbedingungen" für einen Neustart der Bühnen zielt.

Er wünscht sich "klare und rechtzeitige Vorgaben" und eine Gleichbehandlung der Kultur gegenüber anderen Branchen. Ein weiterer Punkt des Papiers sieht spezifische Regelungen für den Sektor vor und würdigt dabei die viel gelobten Präventionskonzepte: Diese seien ein "zentraler Ausgangspunkt für sichere Kulturveranstaltungen" und sollten, gemeinsam mit Vorgaben wie dem Tragen von FFP2-Masken sowie räumlichen Vorkehrungen, bei der Frage von Eintrittstests berücksichtigt werden. Zudem sollten die Besucher-Obergrenzen nicht pauschal festgelegt werden, sondern nach den jeweiligen Gegebenbenheiten vor Ort.

Des weiteren fordert Drozda "niederschwellige Testmöglichkeiten", die einen Veranstaltungsbesuch erleichtern sollen – auch finanziell durch den Ersatz von Testkosten. Zudem wünscht sich die SPÖ "lebensnahe Öffnungszeiten von Kulturbetrieben", der Besuch von Vorstellungen bis 22 Uhr soll gestattet werden.