"Binge Watching" nennt das Wiener Brut sein Lebenszeichen, das coronabedingt kommendes Wochenende online gesetzt wird. Echtes Komaglotzen (auf Englisch Binge Watching) soll es vermutlich nicht werden, aber das Angebot von drei Performances und einem Online-Probenbesuch ist dicht.

Das Programm startet am Freitag, 15. Jänner, mit der in Wien lebenden finnischen Choreografin und Performerin Lau Lukkarila. Die Uraufführung von "Nyxxx" fand als letzte Performance des Brut-Festivals Imagetanz vor der Lockdown-Schließung im März 2020 statt. Lau Lukkarila lies sich für diese Arbeit von der griechische Göttin der Nacht Nyx inspirieren und schuf eine Allegorie der Erotik. "Ich bin interessiert an der Dunkelheit, die jedoch nicht böse oder negativ belastet ist, sondern an jener Dunkelheit, die Schutz sowie Platz und Raum für Möglichkeiten bietet", erklärte die Performerin im Vorfeld der Premiere. Das Brut zeigt eine Kurzversion des Stücks. Live wird es vermutlich bei Impulstanz 2021 zu sehen sein.

Lau Lukkarila in ihrer jüngsten Performance "Nyxxx". - © Franzi Kreis
Lau Lukkarila in ihrer jüngsten Performance "Nyxxx". - © Franzi Kreis

Blubbernde Mikroorganismen

Am Samstag, 16. Jänner, bietet das Brut von 16 bis 18 Uhr einen Online-Probenbesuch im Rahmen von "Handle with care selected by Beate" und zeigt Arbeiten der Künstlerinnen Julia Müllner sowie Katharina Senk und Tanja Erhart. "Gathering bacteria in my carrier bag" von Julia Müllner lädt zu einer blubbernden Verabredung mit Mikroorganismen ein.

Julia Müllner beschäftigt sich in "Gathering bacteria in my carrier bag" mit Mikroorganismen. - © Marlene Coates
Julia Müllner beschäftigt sich in "Gathering bacteria in my carrier bag" mit Mikroorganismen. - © Marlene Coates

In der Tanzperformance "j_e_n_g_a" stellen die quasi dreibeinige Tanja Erhart und die zweibeinige Katharina Senk das Stichwort "pleasure", also Vergnügen oder Lust, in den Mittelpunkt: einerseits als radikale Schnittstelle des Diskurses zwischen Behinderung und Feminismus und andererseits als lustvolle Bewegungsressource im Austausch mit Tanja Erharts Krücken.

Katharina Senk (l.) und Tanja Erhart setzen sich in "j_e_n_g_a" mit der Begrifflichkeit von "pleasure" auseinander. - © Franzi Kreis / Im_flieger
Katharina Senk (l.) und Tanja Erhart setzen sich in "j_e_n_g_a" mit der Begrifflichkeit von "pleasure" auseinander. - © Franzi Kreis / Im_flieger

Ebenfalls am Samstag (20 Uhr) findet die Online-Uraufführung von Alex Franz Zehetbauers und Christian Schröders "AyH" via Zoom statt (Anmeldung auf der Brut-Website): "AyH" ist ein Soundexperiment, inspiriert vom Werk und von der Arbeitsweise der schwedischen Malerin und Mystikerin Hilma af Klint, die Mitglied von De Fem war, einer Gruppe von fünf Frauen, die sich regelmäßig zu Séancen trafen und mit den Gottheiten kommunizierten. Zehetbauer und Schröder zeigen eine Konzertperformance.

Im Duett mit sich selbst: Inge Gappmaier in "Protect. There is no wind in geometrical worlds". - © Natali Glisic
Im Duett mit sich selbst: Inge Gappmaier in "Protect. There is no wind in geometrical worlds". - © Natali Glisic

Am Sonntagabend tanzt Inge Gappmaier ein Duett mit sich selbst in der Online-Uraufführung von "Protect. There is no wind in geometrical worlds". Selbstfindung, Selbstoptimierung und -inszenierung sind die Kernthemen der Performance: "Ich wollte das Projekt machen, weil ich in der Gesellschaft beobachtet habe, dass man sich immer mehr nur um sich selbst kümmert und es sehr viel um das Profilbild im Internet geht", so die Performerin vorab in einem Interview. Sie fragt auch, wie sich in Bezug auf die digitalen Medien der Blick auf den eigenen Körper und das eigene Selbstverständnis verändert hat. "Ich möchte den Handlungsspielraum des eigenen Körpers bewusst machen, oder auch auf poetische Weise zeigen, wie vielfältig und sensibel und wandelbar ein Körper ist", so Gappmaier.

Alle Events des "Binge Watching"-Wochenendes sind kostenlos.