Eines vorweg: Sollte die Internetleitung ins Stocken geraten, ist anzuraten, sich Performances unbedingt zu einem späteren Zeitpunkt anzusehen. Jedes gefrorene Bild ruiniert aufs Neue die Atmosphäre, die Emotionalität. So wäre es bedauerlich, "On Abeyance" von Elio Gervasi, David Altweger und Mira Loew nicht in seiner Gesamtheit zu sehen. Denn diese Uraufführung läuft derzeit lediglich als Online-Stream (noch bis Dienstag, 19. Jänner, 19.30 Uhr) kostenlos auf der Website des Tanzquartier Wien.

Auf der Bühne stehen drei riesige Leinwände, eine Performerin bewegt ihre Arme, dreht den Oberkörper und Kopf zu den Wänden, macht einen Schritt vor und gleich wieder zurück, als ob sie versuchen würde, eine imaginäre Grenze zu überwinden. Auch ohne das Programmheft zuvor gelesen zu haben, ist schnell klar: Isolation, Lockdown und persönliche Erfahrungen der Künstler zu diesen Erlebnissen sind die Kernthemen des Stücks.

Drei Blickwinkel zur Auswahl

Auf den Leinwänden sieht man Füße, die über ein fließendes Gewässer gehalten werden, später dann auch sehnsüchtige Blicke aus dem Fenster, Tanzsequenzen in einer Miniküche oder in einer Zimmerecke. Gervasi, Altweger und Loew zielen nicht auf eine simple Wiedergabe auf dem  Bildschirm ab: Das Stück wird als Dreikanal-Player angeboten. Damit hat der Zuschauer die Möglichkeit, zwischen drei Perspektiven zu wählen. Einer dieser Blickwinkel ist meist die Guckkastenbühnen-Ansicht, während die beiden anderen die Tänzer aus der Nähe oder auch die Projektionen in Großaufnahme zeigen. Eine spannende Idee, die den Stream für jeden Zuseher einzigartig werden lässt.

Im Lauf der Performance sind es dann sieben Performer, die mit einem Gymnastikball, einem Sessel, einer schwarzen Rolle und auch einer Trainingsmatte tanzen, sich fit halten oder einfach nur herumspielen. Jeder der sieben ganz für sich alleine. Interaktionen gibt es keine, nicht einmal Blicke. Der Sicherheitsabstand ist omnipräsent. Es sind Gervasis fließende Bewegungen, die oftmals gegen die Körperdynamik die Richtung wechseln und somit Spannung erzeugen. Erdig ist dieser Tanzstil und passend zum Konzept, das mit Text, den Projektionen und der Klangkulisse eine kurzweilige Auseinandersetzung mit der kollektiven Zurückgezogenheit bietet.