Der "große" Saal des Theaters Drachengasse ist schwer zu bespielen Mit der aktuellen Eigenproduktion, der Uraufführung von Teresa Doplers "Das weiße Dorf", ist in dieser Hinsicht schon mal ein feiner Glücksgriff zum 40. Gründungsjubiläum gelungen: Ein Wasserbecken, das bis auf einen schmalen Steg den gesamten Bühnenraum einnimmt und die Form einer Flussmündung zitiert, wird zum Sehnsuchtsort der beiden Protagonistinnen, denen Regisseurin Valerie Voigt nahezu die gesamte Spieldauer lang zwei stumme Wasser-Tänzerinnen (Choreografie: Karin Pauer) an die Seite stellt.

Auf einer Amazonas-Kreuzfahrt begegnen einander Ruth (Naemi Latzer) und Ivan (Johannes Benecke) nach mehreren Jahren unerwartet wieder. Einst harmonisches, zielstrebiges Jungpaar, reisen sie nun mit ihren neuen Partnerinnen. Beide haben die Karrieren eingeschlagen, von denen sie geträumt und an denen sie konsequent gearbeitet haben. Aus der einstigen Nähe ist gut eingeübter Oberflächendiskurs geworden, nur selten biegen die Dialoge ab in den Ansatz persönlicher Gespräche, in denen für Sekunden etwas von Verlorenem und Sehnsucht mitschwingt, ehe eingeübt naive Lebensbeobachtungen die Figuren wieder auseinanderdriften lässt.

Dopler ist eine versierte Jungautorin, aus deren Text man die Schreibschulen und Vorbilder deutlich herauslesen kann, wie etwa Jon Fosse, dessen Figuren hier quasi aus der tiefen, dunklen See an Bord einer Wohlstandsreisegesellschaft manövriert werden. "Happy End": nicht zu erwarten.