Am Ende legte er, wie so oft, seine rechte Hand ans gerührte Herz – doch der Grund dafür ging diesmal nicht vom Saal aus: Als Plácido Domingo am Freitag den Nabucco sang, war kein zahlendes Publikum an der Staatsoper zugelassen; der Abend fand allein für das hauseigene Streaming und ORF III statt. Aber selbst in diesem sterilen Setting brandete letztlich Jubel für den Weißschopf auf, der gerade seinen 80. Geburtstag gefeiert hat. Der Chor schmetterte ein mehrstimmiges "Happy Birthday", Domingo dankte mit ergriffenen Worten.

60 Jahre steht der Spanier nun schon auf den Opernbühnen, ist zu einer Ikone in seiner ganz eigenen Leistungsklasse avanciert. Gewiss: Der Zahn der Zeit hat auch an dem Star-Tenor genagt, hat ihn zum Wechsel ins Baritonfach gezwungen, sein markantes Kolorit allmählich abblättern lassen. Um Domingos glosende Legato-Linien zu bewundern, muss man weit ältere Mitschnitte konsultieren als den "Nabucco" vom Freitag. Gleichwohl: Diese Stimme trifft die richtigen Töne weiterhin in einem Ausmaß, das Domingo vor dem Verdikt der Peinlichkeit bewahrt. Dabei hat er die Rolle des greisen, gestürzten Königs Nabucco klug gewählt: Mag Domingo auch so manchen Melodiebogen eher hervorzwingen als bewusst gestalten, so verleiht diese Mühsal der Figur doch herzerwärmendes Charisma – auch in der öden Sitz-Steh-und-Knie-Regie von Günter Krämer.

Kompakter Chor-Klang

Die Kollegen vollbringen eher Achtbares als Ausnahmeleistungen: Riccardo Zanellato (Zaccaria) macht mit seinem Bass vor allem in der Mittellage sichere Figur, Sopran Anna Pirozzi verleiht dem Biest Abigaille grelle Töne, Szilvia Vörös der braven Fenena sachliche; einzig Freddie De Tommaso (Ismaele) prunkt mit Schmelz und Süffigkeit, hat in dieser Verdi-Oper nur leider als Tenor wenig zu melden. Der stärkste Qualitätslieferant des Abends, geleitet vom bewährten Kapellmeister Marco Armiliato, ist somit wohl der Staatsopernchor – kompakt und inbrünstig anzuhören vom "Gefangenenchor" bis zum Domingo-Ständchen.