Im Sommer 2015 geriet Salzburg für einige Wochen in den Fokus der Weltpolitik. Die Stadt an der Salzach wurde zu einem Dreh- und Angelpunkt der europäischen Fluchtbewegung, von hier aus wurde für hunderttausende Flüchtende die Weiterfahrt nach Deutschland abgewickelt. Eine Erst- und Notversorgung für abertausende Menschen jedes Alters sowie ein halbwegs geordneter Weitertransport musste praktisch über Nacht organisiert werden.

Wie ging das von Statten? Wie gestaltete sich das sensible Netzwerk zwischen offiziellen Einsatzkräften und freiwilligen Helfern, zwischen Behörden und NGOs? Einen eindrücklichen Rückblick auf diese Ausnahmezeit bietet der dokumentarische Theaterabend "#Ersthelfer #FirstAid" von Nuran David Calis, der nun vom Landestheater Salzburg gestreamt wird. Das Bühnenbild von Anne Ehrlich zitiert die Camp- und Lageratmosphäre - da steht ein voll geräumtes Zelt, hier wurden provisorisch Tische und Stühle zusammengeschoben, hinten gibt es ein Container mit Glasfront, über allem thront eine Videoleinwand.

Vier junge Ensemblemitglieder - Larissa Enzi, Nikola Jaritz-Rudle, Skye MacDonald und Maximilian Paier - stecken in schwarzen Cargo-Hosen und T-Shirts als kämen sie gerade von einem Einsatz am Hauptbahnhof, aus der Notschlafstelle in der Tiefgarage oder dem Ausweichquartier in der aufgelassenen Autobahnmeisterei der Asfinag, diese drei Orte waren neuralgische Punkte, an denen die Schutzsuchenden verpflegt wurden.

Gast-Star der Aufführung ist Heinz Schaden, der SPÖ-Politiker war damals als Salzburgs Bürgermeister für die Abwicklung sämtlicher Prozesse zuständig. Schaden erzählt auf der Bühne anekdotenreich davon, wie rasch er damals einen Krisenstab auf die Beine stellen konnte und wie unbürokratisch die Funktionsträger zusammengearbeitet haben. Man merkt ihm an, wie stolz er heute noch auf den Zusammenhalt der Stadtbewohner ist.

Für den Theaterabend "#Ersthelfer #FirstAid" haben Regisseur Calis und ein vierköpfiges Dramaturgenteam 90 Interviews mit Einsatzkräften und Helfern geführt, ihre Erinnerungen bilden das Herzstück des Theatertextes. Man erfährt etwa, wie die Sozialarbeiterin und ÖVP-Politikerin Doraja Eberle den Einsatz der freiwilligen Helfer koordinierte, phasenweise wurde mehr Kleidung und Nahrung gebracht, als benötigt wurde; oder wie der Pensionist Karl-Heinz Müller die Ausreise an der Grenze mit farbigen Bändern organisierte und wie es Vera Schlag von den Kinderfreunden Salzburg gelang, die von der Flucht traumatisierten Kindern zum Spielen, Malen und Basteln zu motivieren.

Auch wenn die szenische Umsetzung von "#Ersthelfer #FirstAid" nicht rundweg überzeugt, manches geriet etwas zu forciert und Agitprop-mäßig, aber das mindert keineswegs die Relevanz dieser Aufführung. Hier wird der Tatkraft und dem Engagement der Salzburgerinnen und Salzburger ein szenisches Denkmal gesetzt. Es ist ein Triumph der Nächstenliebe. Mehr davon!