Die Wiener Wortstaetten, ein Labor für zeitgenössische Dramatik, hat ein internationales Symposium zum Thema weibliche Perspektiven zeitgenössischer Dramatik initiiert, das coronabedingt verschoben und schließlich online im Rahmen eines Webinars über das Kosmos Theater stattgefunden hat. Die "Wiener Zeitung" sprach mit der Kuratorin des Symposiums, der rumänischen Dramatikerin Alexandra Pazgu, über Aspekte des Autorinnendaseins.

"Wiener Zeitung": Mit welchen Schwierigkeiten sehen sich Dramatikerinnen am Arbeitsplatz Theater konfrontiert? Konnten im Symposium Positionen formuliert werden?

Alexandra Pazgu: Die Online-Veranstaltung war eine Chance zu diskutieren, wie die aktuelle Situation unser Leben und unseren Arbeitsprozess beeinflusst. Was offensichtlich war: Es gab ein großer Bedürfnis zu kommunizieren und über Themen zu sprechen, die nicht nur die Erstellung von Texten betreffen, sondern auch Aspekte unseres Lebens wie Familie, Geld und Arbeit. Schreiben ist eine einsame Tätigkeit, und egal, wie viel Erfolg man hat, fühlt man sich oft alleine. Die Pandemie hat die Verletzlichkeit und die Prekarität dieses Berufs noch deutlicher gemacht.

Alexandra Pazgu. - © Titus Udrea
Alexandra Pazgu. - © Titus Udrea

Kommen Dramatikerinnen im Theaterbetrieb weniger vor als ihre männlichen Kollegen?

Unser Symposium verhandelte auch diese Notwendigkeit, dass öfter und systematischer über Dramatikerinnen gesprochen wird und dass sich Autorinnen und Dramaturginnen noch mehr austauschen sollten. Die Wiener Wortstaetten machen damit einen Schritt nach außen, um nicht nur deutschsprachige Dramatikerinnen zu unterstützen, sondern sie in einen Dialog mit europäischen Dramatikerinnen zu bringen.

Was müsste sich am Betriebssystem Theater ändern?

Ich glaube, jedes Land hat eigene Probleme, aber was ich im Allgemeinen beobachtet habe: Erfolg hat meistens mit Ausdauer und Durchhaltevermögen der Künstlerinnen und Künstler zu tun. Ich wünschte mir, dass Theater sich nicht nur auf schnellen Erfolg und Anerkennung konzentrieren, sondern Versuche und Recherche mehr unterstützen. Und generell wünschte ich mir mehr Stabilität und Gleichgewicht. Dass Prozesse nicht nur mit dem Einkommen zu tun haben, sondern auch mit dem Design unseres Lebens, das von Ausschreibungen, Prämien und Deadlines abhängig ist.

Haben erfolgreiche Dramatikerinnen wie Elfriede Jelinek den Weg für die junge Generation geebnet?

Künstlerisch, philosophisch und politisch auf jeden Fall, ja! Aber ich bin auch der Meinung, dass für eine erfolgreiche Autorin 100 unbekannte Autorinnen schreiben und leben mussten. Deshalb interessiert es mich, Fragen zu formulieren, die für die Mehrheit der Autorinnen genau jetzt Sinn machen. Ich interessiere mich für angewandte Fragen des künstlerischen Lebens. Fragen wie: Was muss man tun, um Exzellenz in Literatur zu schaffen? Wie muss man leben? Wie verändert das Schreiben unser Leben und das Leben unser Schreiben? Welche Narrative gibt es und welche Narrative möchten wir für uns selbst? Wie subjektivieren wir unser Leben beim Schreiben? Was kommt vorher, Leben oder Schreiben? Ist beides gleichberechtigt möglich?

Sind feministische Themen und Fragestellungen für Sie relevant?

Ja. Feministische Themen und Fragestellungen sind sehr relevant. Hauptpunkte sind für mich Repräsentation und Rechte. Ich finde Fragen wie "Wie leben wir?" oder "Welche Rechte haben wir als Autorinnen?" notwendig. Ich glaube auch, dass wir uns fragen sollten, wo wir stehen und inwiefern wir das, wofür wir stehen, selbst formulieren können.

Wie ergeht es Ihnen in der coronabedingten Zwangspause der Theater? Verändert die gegenwärtige Situation Ihr Schreiben, Ihre Lebenssituation?

Die gegenwärtige Situation verändert für uns alle das Leben. Es ist unsicherer und schwieriger geworden, über die Zukunft nachzudenken.