Die bayerische Kabarettistin Monika Gruber gilt als begnadete Komödiantin. Sie füllte auch in Österreich Hallen, brillierte im Fernsehen und auf der Leinwand. In ihrem neuen Buch "Und erlöse uns von den Blöden" rechnet die Tochter aus einem oberbayerischen Bauernhof mit dem Zeitgeist ab. Gemeinsam mit Autor Andreas Hock und dem ihr eigenen hintersinnigen trockenen Humor begibt sich die 49-Jährige auf die Suche nach dem gesunden Menschenverstand in Zeiten der Corona-Pandemie. Wutbürger und Weltverbesserer kriegen ebenso ihr Fett ab wie Egoisten und Ignorante. Die "Wiener Zeitung" sprach mit der charmant-sensiblen Powerfrau über ihren neuen Bestseller und die Begleiterscheinungen der Corona-Krise.

"Wiener Zeitung": Frau Gruber, Sie verzweifeln in Ihrem Buch am Menschenverstand in hysterischen Zeiten und suchen nach Lösungen. Wie viel Mut gehört dazu, obwohl schon Schiller meinte: Mit der Dummheit kämpfen Götter selbst vergebens?

Monika Gruber: Ach, von Mut würde ich nicht sprechen. Mutig ist jemand, der sich die Streif hinunterstürzt, einer, der es als Oppositioneller in Diktaturen mit dem Regime aufnimmt, oder Karl Lauterbach, der sich mit einer solchen Frisur jede Woche in eine deutsche Talkshow traut. Man braucht höchstens ab und zu ein dickeres Fell als jene Zeitgeistnutten, die immer nur dem Mainstream hinterherhecheln. Aber damit habe ich kein Problem. Ich komme schließlich vom Bauernhof: Ich halt’ schon was aus.

Eigentlich wollten Sie ein Jahr pausieren. Dann kam der erste Lockdown. Was war der Anlass, sich an den Schreibtisch zu setzen?

Den Plan, dieses Buch zu schreiben, hatten mein Kumpel Andi und ich schon ein Jahr vorher. Denn ich wollte nicht völlig untätig sein. So ganz ohne Arbeit geht’s bei mir halt nicht. Der konkrete Auslöser war aber die Tatsache, dass ich mir beim Lesen der Titelseite meiner Tageszeitung immer öfter dachte: "Spinn’ jetzt ich oder doch die anderen?" Daher war ich froh, dass Andi mir das Gefühl gab, dass es noch jemanden gibt, der auf gleicher Wellenlänge ist.

Sind die Blöden mehr geworden? Werden wir immer hysterischer und verrückter?

Der weise Meister Eder hat einst zum Pumuckl gesagt: "Es muass a Blöde gebn. Aber es wer’n alleweil mehr!" Und auf heute bezogen: Corona hat in dieser Hinsicht leider wie ein Brennglas gewirkt. Es hat die Hysterischen hysterischer, die Misstrauischen misstrauischer, die Faulen fauler und die Dummen eben dümmer gemacht. Auf der einen Seite werden ständig neue, immer absurdere Verschwörungstheorien verbreitet. Andererseits vergrößert die ständige Beschallung mit Fallzahlen, Sieben-Tage-Inzidenzen und täglichen Todesstatistiken die Angst der Menschen enorm. Wie ließe sich sonst erklären, dass das gute, alte Denunziantentum in Deutschland gerade wieder neu erblüht, im Zuge dessen gerne mal die Polizei gerufen wird, wenn drei Personen auf der Straße zusammenstehen und sich unterhalten?

Was war das Verrückteste, was Sie im vergangenen Pandemiejahr erlebt haben?

Eine Bekannte von mir hat, nachdem ich etwas für sie am Gartentürl abgegeben hatte, das Klingelschild, mit Desinfektionsspray geputzt. Das hat mich ehrlich gesagt schon schwer verstört. Am meisten geärgert habe ich mich jedoch über die Maskenpflicht im Freien, die bei uns ab Herbst in der Erdinger Innenstadt eingeführt wurde. An der frischen Luft eine Maske zu tragen, wenn man die Mindestabstände einhält, halte ich für blinden Aktionismus der Politik. Zumal viele Menschen ihre Maske vermutlich nur alle vier Wochen mal in die Waschmaschine stecken. Und die Pflicht gilt immer noch, obwohl in den Innenstädten seit dem neuesten Lockdown mehr Papierkörbe stehen, als Passanten unterwegs sind.

Eine der Aussagen Ihres Buches ist, dass Corona die Gesellschaft mehr spalte als die Flüchtlingskrise. Woran machen Sie das fest?

Zu Corona hat jeder eine Meinung, weil es jeden betrifft, während große Teile der Bevölkerung von den Auswirkungen der Flüchtlingskrise im persönlichen Alltag wenig mitbekommen haben. Außerdem ist das Klima in unserer Gesellschaft seit Jahren so dermaßen überhitzt, dass jede Diskussion, egal, um was es geht, ob Flüchtlinge, Klima, Corona, moralisch überhöht wird. Es gibt dann nur noch zwei Fronten: gläubig oder ungläubig, gut oder böse, schwarz oder weiß. Dabei existieren so viele Grauzonen. Ich bin beispielsweise weder Corona-Leugner noch Impfgegner. Aber wenn ich objektiv darüber diskutieren möchte, wie sinnvoll oder riskant es ist, sich gegen ein neuartiges Virus mit einem im Schnellverfahren hergestellten Impfstoff immunisieren zu lassen, dann werde ich sofort mit irren Aluhutträgern, radikalisierten veganen Köchen und durchgeknallten Reichsbürgern in einen Topf geworfen. Nachdem allerdings die sogenannte Impfkampagne bei uns in etwa so gut funktioniert wie der Breitbandausbau im ländlichen Raum, liegen, bis ich irgendwann dran sein sollte, sicherlich ausreichend Erkenntnisse vor, um sicherzustellen, dass mir davon keine dritte Brust wächst. Wobei . . .

Sie schrecken nicht davor zurück, Themen aufzugreifen, die derzeit gesellschaftliche Minenfelder sind. Gab es negative Reaktionen aus Ihrem Freundeskreis?

Am Anfang der Corona-Krise hieß es von Regierungsseite noch, Masken wären nicht notwendig, da sie niemanden schützen würden. Irgendwann wurde aber erklärt, Masken seien unerlässlich, man könne sich ersatzweise jedoch auch einfach ein Tuch um den Mund binden. Daraufhin setzte ich einen Post bei Facebook ab, in dem ich sagte: "Aha, ein FC-Bayern-Schal, der schon acht Weißbierduschen, aber noch nie eine Waschmaschine erlebt hat, soll andere gegen Viren schützen? Warum nehme ich dann nicht statt eines Kondoms eine oide auszuzelte Weißwurschthaut?" Daraufhin hat mir ein Spezl die Freundschaft gekündigt, weil ich mich mit einer Schicht von Menschen gemeinmachen würde, die man bestenfalls als bildungsfern bezeichnen könne. Das hat schon sehr wehgetan. Zu sehen, was diese Pandemie selbst mit an sich vernünftigen Zeitgenossen anstellt.

Die Kulturwelt ist schwer zum Erliegen gekommen. Wie schätzen Sie die Einschränkungen ein?

In Österreich waren die Theater wenigstens zwischenzeitlich wieder geöffnet, noch dazu für weitaus mehr Menschen als in Deutschland. Ich habe daher schon den Eindruck, dass die Kultur im Allgemeinen hier ein höheres Ansehen genießt als bei uns. Schwer zu sagen, ob derzeit größere Veranstaltungen durchführbar wären. Aber die oft wirklich ausgeklügelten Hygienekonzepte haben ja gezeigt, dass kein einziges kulturelles Event, weder ein Kabarettabend noch die Salzburger Festspiele, zu einem Superspreader-Ereignis führten. Ich glaube, dass die österreichischen Kollegen, und somit hoffentlich auch ich in Österreich, wieder früher auftreten dürfen als in Deutschland. Hier tut sich, das befürchte ich, bis in den Herbst gar nix. Und nur für ein geimpftes Publikum mag ich sicher nicht spielen, sollte eine solche Regelung kommen. Das widerspricht meinem Gerechtigkeitsempfinden. Mir langts leicht, wenn die Leut’ frisch gwaschen san.