Marie Antoinette flattert von einem Ball zum nächsten, dazwischen noch ein Schäferspiel. Fluffig und lebensfroh flattert ihre Robe im Tanz. Sie schwelgt in Luxus und Amüsement. So scheint es. Auch in Thierry Malandains Interpretation.

Eigentlich hätte am 13. Februar "Marie Antoinette" des renommierten französischen Choreografen Thierry Malandain und seinem Ensemble  Malandain Ballet Biarritz auf der Bühne des Festspielhaus St. Pölten den Freuden des Lebens frönen sollen. Doch coronabedingt wurde diese Vorstellung nun ins Internet verlegt: Noch bis kommenden Montag, 15. Februar, 8 Uhr, steht der Stream kostenlos auf der Homepage zur Verfügung.

Tanzhistorische Trickkiste

Malandain greift in dem 2019 im Schloss von Versailles uraufgeführten Stück tief in die tanzhistorische Trickkiste: Es gibt als Ballett im Ballett auch eine Neuinterpretation eines Tableaus aus Jean-Baptiste Lullys Oper "Persée", das von der griechischen Mythologie inspiriert ist - inklusive der Enthauptung der Medusa. Er zitiert ausgiebig aus den damaligen höfischen Tänzen, deutet historische Bewegungen vielleicht gerade einmal in der Armhaltung an. Auch die Kostüme und das Bühnenbild von Jorge Gallardo sind voller Anspielungen: Angedeutet sind die opulenten Kostüme und Frisuren, die riesigen Bilderrahmen stimmen dezent auf die Szenen ein. Einer davon wird Sinnbild des goldenen Käfigs, in dem die junge Marie Antoinette leben muss. Malandain zeigt farbenintensiv das turbulente Leben der letzten Königin Frankreichs: Etwa die erfolglose Hochzeitsnacht von Marie-Antoinette mit dem zukünftigen Ludwig XVI., oder das Abendessen, das auf die Hochzeit folgte, bis hin zu einem der letzten Bankette der Königin inmitten der Ereignisse von 1789 und ihrer Enthauptung 1793.

Ein Leben in Luxus: Marie-Antoinette getanzt von Claire Lonchampt. - © Olivier Houeix
Ein Leben in Luxus: Marie-Antoinette getanzt von Claire Lonchampt. - © Olivier Houeix

Claire Lonchampt tanzt Marie-Antoinette mit gekonnt neoklassischer Technik, ihre Darstellung bleibt jedoch kühl, was nicht zuletzt an der Inszenierung liegt. Mickael Conte als Louise XVI. setzt tadellos die flüssigen Bewegungssequenzen in Szene, wie übrigens auch der Rest des Ensembles Malandain Ballet Biarritz. Lediglich eine Szene vermittelt am Bildschirm tiefe Emotionalität zwischen den beiden Hauptdarstellern: Wenn die jungen Eltern mit ihrer Tochter spielen, die von einer Puppe dargestellt wird. Die Einsamkeit und der Druck, unter dem die kunstsinnige Marie Antoinette zeitlebens stand, wird auf dem TV-Bildschirm zur Nebensache.

Ebenso plätschert die Musik: Malandain wählte Auszüge aus der Musik zweier Zeitgenossen Marie Antoinettes, nämlich Joseph Haydn und Christoph Willibald Gluck. So entsteht ein auf hohem Tanzniveau optisch äußerst ansprechendes Ballett, das aber noch emotionale Tiefe vertragen könnte.