"Wir sind heuer noch mit einem blauen Auge davongekommen", sagt Bundestheater-Holding-Chef Christian Kircher bei der Bilanzpressekonferenz, die erstmals via Online-Streaming stattfand.

Aufgrund der coronabedingten Spielpause kam es zu einem konzernweiten Umsatzverlust von rund 28 Millionen Euro. Um den finanziellen Schaden aufzufangen, wurde ein Großteil der Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt, rund 18 Millionen Euro an AMS-Kurzarbeitsgeldern flossen in die Holding und ihre Tochtergesellschaften, durch diverse andere Einsparungen ließ sich der Verlust durch die Corona-Krise auf einen "niedrigen einstelligen Millionenbetrag" drücken, so Kircher.

Der Einnahmenentfall der Bühnen bewegt sich indes zwischen 30 und 40 Prozent. Am stärksten war die Staatsoper vom Umsatzeinbruch betroffen. Das Haus am Ring weist üblicherweise einen äußerst hohen Eigendeckungsgrad auf, der 2019/20 von 46,2 auf knapp 32 Prozent abstürzte, was zu einem negativen Jahresergebnis von rund zwei Millionen Euro führte. Ein Novum für die erfolgsverwöhnte Staatsoper.

Die Volksoper konnte die Verluste der zweiten Spielzeithälfte durch eine starke erste Halbzeit kompensieren, in der die Auslastung von 80 auf 89 Prozent anstieg, und kommt so auf ein positives Jahresergebnis von rund drei Millionen Euro.

Das Burgtheater schafft durch das Auflösen von Reserven in der Höhe von 2,5 Millionen ein Plus von rund 5 Millionen Euro. Die Theaterservice GesmbH Art for Art fällt freilich wegen nicht stattgefundener Premieren von einem Vorjahresergebnis von 884 Tausend Euro auf 68 Tausend Euro.

500.000 Besucher weniger

2019/20 fanden fast 700 Vorstellungen weniger statt als 2018/19, daraus folgt eine halbe Million weniger Zuschauer als sonst. Die in Burg- und Akademietheater verschobenen Premieren können nachgeholt werden, ob das im Musiktheater gleichermaßen möglich sein wird, ist fraglich. Das mag mit ein Grund dafür sein, dass Staatsopern-Intendant Bogdan Roščić Online-Streamings zuletzt favorisierte. Derzeit laufen, so Kircher, Gespräche, um das Online-Angebot auch im Burgtheater zu verstärken.

Durch das Auflösen von Rücklagen kann die Holding die Spielzeit 2019/20 mit einer schwarzen Null bilanzieren. "Aber unsere Reserven schmelzen wie die Eisberge in der Arktis", zieht Kircher einen launigen Vergleich zum Klimawandel. Tatsächlich ist die Zukunft der Bundestheater derzeit ungewiss, da in den kommenden Monaten über das Budget für die folgenden drei Jahre verhandelt wird. Kircher rechnet hoch, dass allein aufgrund steigender Personalkosten sich der anfängliche Personalaufwand von rund 185 Millionen Euro bis 2023/24 um 46,1 Millionen erhöhen wird.

Corona wird die Finanzen weiterhin belasten. Wenn die Regierung wieder grünes Licht für Veranstaltungen gibt, brauchen die Bundestheater, so Kircher, eine Vorlaufzeit von etwa vier Wochen. "Wir rechnen nicht damit, dass wir in der Folgesaison mit vollen Häusern spielen dürfen", wagte sich der Holding-Chef an eine Prognose. Frühestens mit der Saison 2022/23 rechnet er mit der Rückkehr zur Normalität.