Natürlich ist die Verlängerung des Lockdowns keine gute Nachricht für die Kulturbranche in Österreich", hält Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer in ihrer jüngsten Aussendung fest. Nachsatz: "Immerhin haben die Kulturbetriebe aber jetzt bis Ostern Gewissheit, dieser Ausblick war eine Bitte, die immer wieder an mich herangetragen wurde."

Überrascht hat die neuerliche Ausweitung des Lockdowns wohl niemanden. Nicht nur Kulturbetriebe, auch Gastronomie und Hotelerie sind von der Zwangspause betroffen. Unter welchen Bedingungen nach Ostern geöffnet werden kann, entscheidet die Regierung am 1. März. "Bei den Mutationen und gleichzeitigen Öffnungsschritten bleibt meiner Ansicht nach nur noch die Hoffnung, dass wir nicht wieder im April im vierten Lockdown hängen", sagt Volkstheater-Intendant Kay Voges auf Nachfrage der "Wiener Zeitung".

Bald ist es ein Jahr her, dass das Coronavirus hierzulande zu wiederholten Schließungen führte. Die Ersten, die zusperren mussten, und wohl auch die Letzten, die wieder aufmachen dürfen, sind die Kulturbetriebe. Wie sich das monatelange Pausieren auf den Kunst- und Kulturbereich auswirken wird, darüber lässt sich nur spekulieren.

Die Bundestheater "sind noch mit einem blauen Auge davon gekommen", sagte Holding-Chef Christian Kircher neulich bei der Bilanzpressekonferenz. Reserven wurden aufgelöst, um ausgeglichen zu bilanzieren, doch diese "schmelzen wie die Eisberge", so Kircher. Die Gegenwart ist für die Großbühnen demnach gesichert, ungewiss ist freilich die Zukunft.

Die erfolgsverwöhnte Staatsoper mit Spitzenauslastung musste heuer erstmals ein Minus verbuchen. Wenn sich die Tourismusbranche nicht bald wieder erholt, was kaum zu erwarten ist, wird es auch in den folgenden Spielzeiten schwer werden, die Ränge zu füllen. Die Belastungsprobe beginnt für die Großbühnen wohl erst dann, wenn der Lockdown und dessen Rettungsanker (Kurzarbeit! Schließtage! Stundung!) längst schon wieder Geschichte sind.

Lernen aus dem Lockdown

Prekär ist Gegenwart wie Zukunft freilich für die freie Szene, für kleinere Kulturinitiativen, die auch unter optimalen Bedingungen schon ums Überleben kämpfen und vor allem für freiberuflich Tätige.

In einem ersten Schritt hat die Kulturpolitik die Budgetmittel aufgestockt, viel Geld wurde für Umsatzersatz und Soforthilfen in die Hand genommen. Soeben wurde ermöglicht, dass nun auch Betriebe und Einzelpersonenunternehmen nachträglich Umsatzersatz beantragen können, die im November und Dezember indirekt vom Lockdown betroffen waren - vom Bühnenbildner bis zu Castingagenturen, vom Filmverleih bis zu Kunstvermittlern. Das sind notwendige Maßnahmen zur Existenzsicherung. Genügt das schon? Reicht der Versuch, halbwegs durch die Krise zu kommen?

Es mehren sich Stimmen, die das gegenwärtige Innehalten lieber für ein Umdenken nützen wollen. Was sollte sich langfristig verändern? Die Wiener Regisseurin Sara Ostertag schrieb im Essayband "Lernen aus dem Lockdown" etwa darüber, dass die prekären Arbeitsverhältnisse, endlich durch ein Fair-Pay-Modell mit Honoraruntergrenzen abgefedert werden sollten. Michael Wimmer, einer der der profiliertesten heimischen kulturpolitischen Vordenker, forderte in einem APA-Interview einen "New Deal für die Kulturpolitik", bei dem nicht nur Gelder verteilt werden, sondern Grundsatzfragen an Kulturbetriebe im 21. Jahrhundert gestellt werden, etwa was Nachhaltigkeit, Digitalisierung, Verteilungsgerechtigkeit und Demografie betreffen. In der Pause kann auch Raum für Neues entstehen.