Wien. Vergangenen März mussten von einem Augenblick auf den anderen sämtliche Theater und Konzerthäuser schließen. Bereits im April 2020 etablierte ORF III die Sendereiche "Wir spielen Österreich", dabei wurden Live-Übertragungen von Oper, Operette, Musical und Konzerten im Fernsehen gezeigt. Rund 1,5 Millionen Zuseher vermochte das neue Format bislang anzulocken. "Das zeigt, die Breitenwirkung und das Bedürfnis nach Kunst und Kultur", sagt Kunststaatssekretärin Andrea Mayer bei der Online- ORF-Pressekonferenz.

Deshalb wird nun das Format auf heimisches Sprechtheater ausgeweitet. Ab 26. Februar werden jede Woche in der Sendeleiste "So ein Theater" um 20.15 Uhr neue Sprechtheaterinszenierungen gezeigt. Den Auftakt macht "Professor Bernhardi" aus der Josefstadt. Der weitere Fernsehspielplan ist noch nicht fixiert. Aus den Kammerspielen ist die Neu-Produktion "Dreigroschenoper" und "Der Vorname" vorgesehen. Das Burgtheater ist mit "Die Bakchen", der Eröffnungspremiere der Ära Martin Kušej vertreten: einer maschinentheatralen Neuinterpretation der antiken Vorlage von Ulrich Rasche. Über eine weitere Inszenierung aus dem Akademietheater wird gerade verhandelt. Aber nicht nur die Großbühnen, auch das Off-Theater ist mit dem Meidlinger Werk X vertreten ("Dunkel lockende Welt").

"Guter Mix"

Das Format beschränkt sich nicht allein auf Wiener Bühnen. Aus dem Landestheater Salzburg ist die Neuinszenierung von "Heldenplatz" zu sehen, das Schauspiel Graz steuert Ferdinand Schmalz’ Neudeutung des "Jedermann" bei, auch das Stadttheater Berndorf ("Das Abendessen") ist mit von der Partie. "Wir haben hier einen sehr guten Mix gefunden", ist der Geschäftsführer von ORF III, Peter Schöber, überzeugt. Tatsächlich setzt der erste Spielplan deutlich auf Unterhaltung, wagt sich aber auch an Gegenwartsdramatik und neue Regiehandschriften. "Wir machen neue, frische Ware für unser Publikum", sagt Schöber.

Für das Projekt erhält ORF III ein Sonderbudget von mehreren hunderttausend Euro. "Es ist eine in Europa einzigartige Initiative", so ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz. "Auch in der kargen Zeit wollen wir den Zugang zu Kunst und Kultur ermöglichen", sagt Mayer. Ob die Initiative auf andere Bundesländer ausgedehnt wird, ist noch offen, derzeit gibt es Gespräche mit den Passionsspielen Erl. Fraglich ist, ob das Format nach der Corona-bedingten Spielpause fortgesetzt wird.