Hammoudi und Amal heißen die Protagonisten des 2017 erschienenen, vielbeachteten Romans der 1984 in Baku geborenen, heute in Berlin lebenden Autorin Olga Grjasnowa. Die beiden gehörten einst der syrischen "Bildungselite" an. Er studierte an internationalen Universitäten Medizin, sie, Tochter aus "gutem Haus", steht am vielversprechenden Beginn ihrer Schauspielkarriere.

Ein Leben im Untergrund

Doch als Hammoudi nach Damaskus reist, um die letzten Formalitäten für den neuen, gut dotierten Job in Paris zu erledigen, beginnt seine eigentliche Odyssee erst, deren Verlauf Grjasnowa minutiös bis zum bitteren Ende auserzählt. Der zum Bleiben verurteilte Jungchirurg und die hoffnungsvolle Jungschauspielerin begegnen einander zum ersten Mal während des Arabischen Frühlings, in dem Moment ihres Lebens, als sie gerade beginnen, sich für Freiheit und damit für Protest und Widerstand gegen das Assad-Regime in Syrien einzusetzen. Was folgt, sind Verfolgung, Folter und ein Leben im Untergrund, ehe ihnen die unmögliche Flucht doch noch gelingt. Als sie einander Jahre später in Berlin wiederbegegnen, sind Amal und Hammoudi nicht mehr die jungen, schönen und privilegierten Vertreter einer syrischen Intellektuellenschicht, sondern Refugees, Asylwerber, von allen Seiten namenlos Ausgestoßene.

Susanne Draxler lässt in ihrer Inszenierung am Werk X Petersplatz die beiden Schauspieler so nah wie möglich am Text der Romanvorlage entlang spielen. Sie referieren sich gemeinsam durch die sich rasch überschlagenden Ereignisse, wobei Johnny Mhanna (Hammoudi) und Diana Kashlan (Amal) jeweils die Geschichte des anderen erzählen und zudem in zahllose weitere Rollen springen. Doch was vielversprechend als "unsentimental journey" beginnt, erlahmt rasch in einem Gewaltbebilderungstheaterparcours.

Die brav sich am Roman entlanghantelnde Bühnenfassung von Lisa Kärcher und deren szenische Umsetzung bedienen einander zwar auf ästhetischer Augenhöhe, doch ein Glücksfall ist das in diesem Fall für keine Seite, vor allem nicht für Grjasnowas hier in moralisierendes Schwarz-Weiß getauchten Roman, dem eine radikalere, pathosfreiere Bühnenadaption wohlgetan hätte.