Seit Beginn der Pandemie ist Josefstadt-Direktor Herbert Föttinger wiederholt als Advokat gegen die von der Regierung verordneten Zwangspausen für Theater- und Konzerthäuser aufgetreten. Interessant freilich: Während er bisher den Plan, Covid-Tests an der Eingangstür zu kontrollieren, ablehnte, ließ er in der Vorwoche mit einem Meinungsschwenk in der "ZiB2" aufhorchen. Er, Föttinger, könne sich durchaus vorstellen, im Theater in der Josefstadt eine Teststation zu errichten, um Besuchern eine Testung vor Ort zu ermöglichen.

Auf Nachfrage der "Wiener Zeitung" heißt es aus der Josefstadt: "Wir gehen derzeit davon aus, dass Kulturveranstaltungen nur mit einem aktuellen negativen Testergebnis besucht werden dürfen (Eintrittstests). Wir werden unser Publikum auffordern, bereits getestet zu kommen." An Föttingers Absichtserklärung will man zwar festhalten, wie das konkret ablaufen soll, ist derzeit aber völlig unklar: "Es ist unser Wunsch, im kleinen Rahmen eine Testmöglichkeit anbieten zu können. In diesem Zusammenhang gibt es noch eine Reihe von offenen Fragen, und wir müssen die Vorgaben der politischen Entscheidungsträger und Gesundheitsbehörden abwarten und berücksichtigen, unter welchen Voraussetzungen Test unter kontrollierten Rahmenbedingen durchgeführt werden könnten."

Konzerthaus will Tests bieten

Tatsächlich ist derzeit nicht einmal ein Wiedereröffnungstermin für die Theater, Konzertsäle und Kinos avisiert. Das Staatssekretariat für Kunst und Kultur, so hieß es am Dienstag, peilt dafür ungefähr Mitte April an. "Die Rahmenbedingungen sind noch unklar, daher arbeiten wir derzeit auch noch nicht am Aufbau einer Teststation", heißt es aus dem Burgtheater und man verweist auf ein "umfassendes Präventionskonzept", das sich bereits nach dem ersten Lockdown bewährte:  "Es ist uns bis dato kein Ansteckungsfall aus einem Theaterzuschauerraum irgendwo bekannt."

Dafür zeigt das Wiener Konzerthaus Tatkraft. Man strebe seit jeher nach "künstlerischer Exzellenz und Dienstleistungsorientierung", erklärt Intendant Matthias Naske in einem Statement. Darum sei es naheliegend gewesen, die großzügigen Foyerräume umzufunktionieren. Sie werden nun "für die schnelle und professionelle Durchführung von Covid-Tests genutzt". Nach einer Testphase für Musikerinnen und Musiker und das Team des Hauses "planen wir den Kreis auf die etwa 11.000 Mitglieder der Wiener Konzerthausgesellschaft und deren Familien auszuweiten". Dieses Service stehe dann aber wohl nicht unmittelbar vor Konzerten zur Verfügung. Naske: "Ich sehe Test- und Veranstaltungsbetrieb vollkommen getrennt." Das Testen "unmittelbar vor dem Besuch einer Veranstaltung wird sich räumlich und zeitlich nicht ausgehen".

Wiens Opernhäuser planen offenbar keine eigenen Teststationen: Das Foyer sei zu klein, der Eingangsbereich ungeeignet, heißt es aus dem Theater an der Wien, das seine Klientel auf die umfassenden Testressourcen der Gemeinde Wien verweist; in dasselbe Horn stößt die Volksoper. Die Staatsoper will sich mit Verweis auf die vage Lage derzeit überhaupt nicht zu dem Thema äußern.

Auch unter den heimischen Kinobetreibern herrscht noch Ratlosigkeit über die bevorstehenden Eintrittstests und deren Umsetzung. Michael Stejskal, Betreiber des Wiener Votiv-Kinos und des DeFrance: "Es wäre uns am liebsten, wir könnten diese Tests im Kino selbst durchführen, denn der Kinobesuch ist generell eher etwas Spontanes. Die Frage ist aber, wie man die Testungen umsetzt, ohne dann gleich erst recht wieder lange Warteschlangen zu generieren."

Das sieht auch Christian Dörfler, Obmann des Verbandes der Lichtspieltheater und Chef des Wiener Haydn-Kinos, so: "Selbst zu testen, das wäre logistisch unmöglich. Wir kontrollieren die Zertifikate, aber wir werden nicht selbst testen." Und auch das Argument der Spontaneität gilt für Dörfler nicht: "Der Trend geht dahin, dass wir alle permanent getestet werden. Wer in die Gastro will, braucht ebenso einen aktuellen Test wie beim Friseur. Die Leute werden getestet sein, daher orte ich kein Problem bei einem spontanen Kinobesuch."

Vonseiten des Marktführers, der Cineplexx-Kinos, will man sich nicht äußern: "Wir haben derzeit leider kein Statement zu dieser Frage", heißt es knapp von der Pressestelle.