Was Theater ist, wenn es nicht mehr gemeinsames Erlebnis an einem Ort ist, was digitales Theater mehr sein kann als die reine Aufzeichnung einer Vorstellung, und ob es dann überhaupt noch etwas mit tradierten Theater-Definitionen zu tun hat - diese Überlegungen beschäftigen uns nicht erst seit den vergangenen Monaten. Jedenfalls sind wir bereits an aufgezeichnete Theaterabende gewöhnt.

Sandra Schüddekopfs Inszenierung von Yael Ronens und Dimitrij Schaads "(R)Evolution. Anleitung zum Überleben im 21. Jahrhundert", gestreamt aus dem leer gefegten Theater Drachengasse, ist eine der kurzweiligeren Annäherungen an das Thema.

Geschickt wird der gesamte Raum bespielt, der mit "Handle with care"-Planen ausgelegt und als traditioneller Theaterraum quasi verabschiedet wurde. Aus allen möglichen nicht nur stofflichen Verschlingungen tauchen die fünf Darsteller auf, um in klassischen Spielszenen mal bissiger, mal erschreckender unterschiedliche "worst cases" einer Welt zu deklinieren, die sich vom Anthropozän auch schon wieder verabschiedet hat und von künstlichen Intelligenzen bis in die letzten genetischen Dispositive und Hirnwindungen durchprogrammiert wird.

Der Mensch: Das Produkt jener Technologien, die er selbst einst geschaffen hat, ehe sie sich von ihm freundlich, wenn auch nicht unbedingt dankbar, verabschiedet haben. Verzweiflung mit einigem Unterhaltungswert.