Die Musiker der New Yorker Metropolitan Opera haben laut New York Times nun doch zugestimmt, Gehaltsverhandlungen mit dem Opernhaus aufzunehmen. Im Gegenzug bezahlt die Met den Musikern 1.543 Dollar (1.289 Euro) wöchentlich.

Der Hintergrund des Ganzen: Die Corona-Pandemie hat die New Yorker Metropolitan Opera in die Krise gestürzt, und die Krise der Met hat ihre Musiker mitgerissen. Und nicht allein sie: Alle, die mit der Infrastruktur des Opernbetriebs zu tun haben, standen plötzlich vor dem Problem, dass ein geschlossenes Opernhaus sie nicht braucht. Am 24. März 2020 musste die Met ihren Spielbetrieb einstellen, die Wiederaufnahme ist erst im September des laufenden Jahres vorgesehen.

Anders als in Österreich oder Deutschland, wurden die Musiker und Bühnenarbeiter der Metropolitan Opera ab der Schließung des Hauses nicht mehr bezahlt. Aufrechterhalten blieb lediglich die Krankenversicherung - in den USA von essenzieller relevanz, und die Gewerkschaften würdigten das auch entsprechend. Peter Gelb, General Manager der Met, sagte: "Wir entlassen die Menschen nicht", da aber da die "Geschäftstätigkeit eingestellt" werde, könne man keine Gehälter mehr bezahlen. Das sei in den Verträgen durch sogenannte Force-Majeure-Klauseln festgeschrieben.

Gehaltszahlungen gestoppt

Für die Musiker und Bühnenarbeiter bedeutet das, dass sie zwar krankenversichert sind, aber keinen Gehalt bekommen. Damit begann für die Musiker und Arbeiter ein Arbeitskampf, der sehr typisch ist für die USA mit ihren geringen staatlichen Beihilfen.

Anfangs waren die Positionen festgefahren: Das Met-Management ließ keinen Zweifel daran aufkommen, dass man an eine langfristige Gehaltskürzung denke, eine Notmaßnahme, um das Haus, das schon vor Corona finanziell turbulente Zeiten erlebt hatte und jetzt, während der Pandemie, erst recht in eine finanzielle Schieflage geriet, zu stabilisieren. Sobald die Konsolidierung geschafft wäre, könne man ja, so die Vorstellung des Managements, über neue Tarife verhandeln.

Für die Gewerkschaften war das unannehmbar. Sie verweigerten die Verhandlungen - und die Met stellte die Gehaltszahlungen ein.

Im Dezember 2020 schließlich weichte das Met-Management seine harte Position auf und bot 1.543 Dollar wöchentlich an, sofern die Gewerkschaften Verhandlungen aufnehmen würden. Die Gewerkschaft, die den Chor vertritt, akzeptierte, die der Musiker legte sich weiter quer.

Eine Geigerin macht Übersetzungen

Für die Musiker sind die Gehaltseinbußen, zumal in einer Hochpreis-Stadt wie New York, fatal. Der Cellist Joel Noyes muss sich gar mit einem billigeren Cellobogen begnügen - das hat Einfluss auf die Qualität seines Musizierens. Im Gespräch mit der New York Times fand er einen Vergleich: "Es ist, als wären Sie ein Rennfahrer, der Ferraris in Formel-eins-Bewerben lenkt", sagte der 41-Jährige, "und mit einem Mal steuern Sie einen Toyota Camry über eine Landstraße."

Met-Manager Peter Gelb stehen harte Verhandlungen mit den Gewerkschaften von Chor, Orchester und Bühnenarbeitern bevor. - © APA / Getty Images / AFP / Roy Rochlin
Met-Manager Peter Gelb stehen harte Verhandlungen mit den Gewerkschaften von Chor, Orchester und Bühnenarbeitern bevor. - © APA / Getty Images / AFP / Roy Rochlin

40 Prozent der Musiker waren gezwungen, den Raum New York zu verlassen, um ihr Alltagsleben billiger zu gestalten, etliche Musiker eines der besten Opernorchester der Welt waren gezwungen, Jobs anzunehmen, von denen manche nur am Rand, wenn überhaupt, mit ihrer Ausbildung zu tun hatten. Die Geigerin Angela Qianwen Shen etwa hat nur eine mit einem Visum verbundene Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis, kann aber, da sie keine US-Staatsbürgerin ist, keine Arbeitslosenunterstützung beanspruchen. Sie hält sich mit Übersetzungsarbeiten über Wasser.

Der Stardirigent Riccardo Muti sagte in einem Statement, es sei kaum zu glauben, dass ein bedeutendes Orchester wie das der Met von einer Auflösung betroffen sein könnte.

Gehaltskürzungen notwendig

Gelb hingegen argumentierte stets mit der finanziellen Notlage des Hauses und machte darauf aufmerksam, dass etwa auch die Musiker des New York Philharmonic Einbußen akzeptiert hätten. Konkret hätten sie Kürzungen ihres Grundgehalts um 25 Prozent für eine Dauer bis August 2023 zugestimmt. Die Met jedenfalls müsse an allen Ecken und Enden sparen, so Gelb, und wer das nicht erkenne, betreibe "Selbstzerstörung". Auch der Bau von Bühnenbildern und das Schneidern von Kostümen für kommende Produktionen ist bereits ausgelagert: Für Giuseppe Verdis "Rigoletto" und "Don Carlos" werden sie in Cardiff (Wales) hergestellt.

Mittlerweile hat die Not der Musiker auch zu Solidaritätsbekundungen von Kollegen geführt. Die Wiener Philharmoniker etwa haben einen Offenen Brief verfasst. "Die Welt sieht genau zu", schreibt Philharmoniker-Vorstand Daniel Froschauer, und: "30 Prozent der Mitglieder des Met-Orchesters können sich das Leben in New York nicht mehr leisten. (...) Die weltweite Reputation der Met und doie kulturelle Landschaft von New York City wären verwüstet durch den Verlust dermaßen hochkarätiger Musiker."

Nun aber soll es doch Verhandlungen geben. Wie sie ausgehen, steht in den Sternen. Gewiss ist nur eines: Dass es ohne Gehaltseinbußen für die Musiker nicht gehen wird. Die Gesundheitskrise ist nur eine Seite der Corona-Pandemie; die andere Seite ist die Wirtschaftskrise - und es ist zu befürchten, dass die Welt diesbezüglich erst am Anfang steht.