In einem weißen, aber nicht zu hellen Lichtkegel sind es zehn Performer beziehungsweise Artisten, die erst auf dem Boden liegend, dann ihre Körper in Bewegung setzen. Gekleidet in schwarze T-Shirts und unterschiedliche erdfarbene kurze Hosen beginnen sie, unaufgeregt und minimalistisch inszeniert von Yaron Lifschitz, Menschenpyramiden zu bauen. So, als gäbe es keine Schwerkraft, so, als wäre es vollkommen natürlich und ungefährlich: Eine Hand greift in die andere, die Tempi dabei sind an die Klangkulisse angepasst. Es ist nahezu ein Tanz der perfekt eingespielten Bewegungsabläufe, um den Höhepunkt, beispielsweise der Pyramide, zu erreichen.

Die Performer-Artisten des australischen Circa Contemporary Circus zeigen bis 26. März "Humans 2.0" als Stream auf der Website des Festspielhauses St. Pölten. Eigentlich hätte das in Brisbane beheimatete Ensemble nun im März mit "Leviathan" gastieren sollen. Die Aufzeichnung einer vergangenen Produktion muss in Pandemiezeiten aushelfen. Was durchaus auch ein Publikum erreichen kann, das sich für "Zirkus" im herkömmlichen Verständnis des Genres, nicht begeistert. Circa ist anders.

Gelebte Gleichberechtigung: Hier stemmt jeder jeden. - © Pedro Greig
Gelebte Gleichberechtigung: Hier stemmt jeder jeden. - © Pedro Greig

Man sieht einen Mix aus Performance und unaufgeregter Darstellung von herrausragender Akrobatik, die jedoch noch ein Mehr an Theatralik vertragen könnte. Hier fließen die Szenen ineinander. Manche Pose verschwindet wieder, ohne, dass man sie genauer studieren und als Zuseher die Schwierigkeit dahinter entdecken hätte können. Die Performer übertreffen sich nicht nur im Aufbau faszinierender physischer Konstruktionen, sondern auch in der geschickten Weise, wie sie diese demontieren. Ihre Körper scheinen unendlich elastisch. Ein Performance-Zirkus, der auch vor dem TV-Gerät staunen macht.