Konsumiert diese Performance nicht! Und an die Kritiker im Publikum richtet Amanda Piña einen weiteren Appell: Extrahiert sie nicht, denn das Werk ist eine Hommage an die Erde. Dann beginnt sie zu erzählen - einen sehr persönlichen Text, wie sie selbst sagt - über die ökologischen Folgen von Bergbau in Chile, die Wasserverschmutzung, die chronischen Krankheiten, die daraus entstehen. Piñas Stimme bricht, als sie sagt, dass ihre Mutter dort lebt, dass sie dort aufgewachsen sei. Anglo American heißt der Betreiber der Mine, der nur profitiert, aber nichts den Menschen oder der Natur zurückgibt: Das Unternehmen opfert Gletscher, Berge und Wasser - kurz: das ökologische Gleichgewicht, fährt die Performerin fort, begleitet von einem leisen wummernden Ton. Dann ruckelt die Kamera unverhofft, die aufgebaute Atmosphäre wird dadurch gestört und man erinnert sich, als Zuseher ja eigentlich nur vor dem Bildschirm und nicht im Publikumsraum des Tanzquartier Wien zu sitzen.

Die Tanzquartier-Premiere von "Climatic Dances - Endangered Human Movements Vol. 5" sollte bereits im letzten Jahr stattfinden und wurde coronabedingt verschoben. Nun hat man sich entschieden, Piñas jüngstes Werk per Video-on-Demand kostenlos auf der Website bis 28. März (19.30 Uhr) zur Verfügung zu stellen.

Amanda Piña bringt einen sehr persönlichen Text über die ökologischen Folgen des Bergbaus in Chile. - © nadaproductions
Amanda Piña bringt einen sehr persönlichen Text über die ökologischen Folgen des Bergbaus in Chile. - © nadaproductions

Reise in die Tiefen des Berges

Es ist bereits die fünfte Arbeit in Piñas Performance-Reihe "Endangered Human Movements" in der sich die mexikanisch-chilenisch-österreichische Choreografin und Tänzerin mit jahrhundertealten, menschlichen Bewegungspraktiken von indigenen Bevölkerungsgruppen beschäftigt. Für "Climatic Dances" inspirierte sie die Arbeit des mexikanischen Anthropologen Alessandro Questa über zwei Tänze aus dem nördlichen Hochland von Puebla, die vom indigenen Volk der Masewal im Kontext von Klimawandel und Bergbauausbeutung aufgeführt werden.

Mit diesen beiden Tänzen, "Tipekajomeh" und "Wewentiyo", beginnt die Reise in die Tiefen des Berges: "Alles entsteht aus dem Inneren der Berge, aus der Erde", sagt Piña im Lauf ihres Monologs. Dann betreten zwei weiter Performer die Bühne, auf die inzwischen ein Meer von Steinen projiziert wird. Daraus schält sich später Amanda Piña, sie ist Teil des Bergs, der hinter ihr in Form eines aufgeblasenen Tuches wächst und wächst. Die Performance gewinnt an Tempo, als mit Kastagnetten die Schrittkombinationen in Endlosschleife klappernd begleitet werden. Der Berg wird zum Gletscher, die Performer stellen schließlich Kerzen auf, um ihn zu betrauern. Doch aus den Schwingen der schwarzen Tücher wird kein Totentanz, vielmehr scheint es eine kraftvolle Kampfansage zu sein. Amanda Piñas Text, den sie zu Beginn des Abends gelesen hatte, klingt auch jetzt noch in den Ohren. Ein simples Zurücklehnen und Genießen ihres Stücks lässt die Performerin ohnehin nicht zu.