Sie sind auf dem richtigen Weg", so wird man am Beginn von einer Computerstimme am Telefon begrüßt. "Achten Sie darauf, dass Ihr Handy geladen ist." Wieder einmal findet ein Theaterbesuch unter dem Vorzeichen der coronabedingten Ausgangssperre im eigenen Wohnzimmer statt. "Tausend Wege - ein Telefonat", die dritte Premiere des Wiener Volkstheaters, entpuppt sich als Telefonat zwischen zwei völlig unbekannten Menschen. Als "Person A" und "Person B" spricht man für die Dauer einer Stunde miteinander, angeleitet und angestiftet von einer anonymen Computerstimme.

Der Fragenkatalog folgt wohl einer gewissen Dramaturgie. Zunächst wird der Raum erkundet: "Person A, wo befindest du dich?" Weiter geht es mit Fragen zur Persönlichkeit. Wobei es nicht nur bei Belanglosem bleibt: "Wie gut kennst du dich mit Autos aus?" oder: "Kannst du stricken?" und: "Welche Farbe hat dein Haar?" Völlig unerwartet wird man mit Fragen nach Menschen, die man liebt und die einen geprägt haben, konfrontiert. "Woher kommst du? Was haben dir deine Eltern mitgegeben? Was davon möchtest du behalten, was lieber loswerden?" Wer bleibt bei dieser Nabelschau noch schlagfertig und spontan?

Plappereien

Die Telefonaufführung "Tausend Wege" der vielfach prämierten amerikanischen Theaterformation "600 Highwaymen" steht und fällt mit der Bereitschaft der beiden Telefonierenden, bei diesem Spiel mitzumachen, sich ein Stück weit auf die Fragen und das unbekannte Gegenüber einzulassen. Wenn es sich bei den Antworten um frei erfundene Anekdoten handelt, wen kümmert’s, solange das Gespräch im Fluss bleibt.

"Tausend Wege" kann auf tausend Wegen scheitern. Die einzige Methode, um das Gespräch aus der Ferne zu steuern, liegt nun darin, bei den Fragen aufs Tempo zu drücken, so vermeiden die Theatermacher zwar peinliche Stille, erschweren aber auch jedes tatsächliche Gespräch. Worum also geht es bei dieser inszenierten Telefonbegegnung?

"Stell dir vor, wir haben eine Autopanne mitten in der Wüste", wie eine Art geführte Fantasiereise zieht sich dieses Bedrohungsszenario durch das Telefonat. Immer wieder kreist das Gespräch um diesen krisenhaften Moment: "Was machen wir jetzt? Eines Tages wird das hier etwas sein, über das wir lachen." Handelt es sich um freundliche Durchhalteparolen für die Pandemie? Mag sein. Wie so vieles im Telefontheater "Tausend Wege" bleibt auch der eigentliche Sinn der Unternehmung eine offene Frage.