Wann, wenn nicht am 1. April wäre der passendste Gründungstag gewesen für das in Graz ansässige Österreichische Kabarettarchiv, das heute, Donnerstag, sein 20-jähriges Bestehen feiert. Freilich hätte man das lieber mit einem großen Festakt samt Gastauftritten aktueller Künstler begangen. So aber müssen Iris Fink und Hans Veigl, die beiden führenden Köpfe der am 1. April 2001 feierlich eröffnete Sammlung, den Corona-Einschränkungen folgen und planen für den weiteren Verlauf des Jubiläumsjahres mehrere kleine Feierlichkeiten.

Neben neuen Publikationen, wie "Karl Farkas und die Zeit zwischen den Kriegen. Gereimtes und Ungereimtes" oder der losen Online-Reihe "GESAMTkabarettWERK" (die Texte von verschiedensten Menschen aus dem Bereich der Kleinkunst leuchten neben diversen Künstlern auch den Backstage-Bereich aus) sollen ab Mitte Mai auch mehrere themenspezifische "Kabarettspaziergänge" durch Graz stattfinden. An drei aufeinander folgenden Wochenenden führt die Spurensuche zu historischen und aktuellen Spielstätten. Route eins besucht "Das Kabarett der frühen Jahre" (vom Orpheum über das Rosegger-Haus bis zu den Schauplätzen des politischen Kabaretts), auf Route zwei geht es um "Die Brettl’n für den Nachwuchs" (Leechburg, Girardi-Haus, Theatercafé), während das Motto von Route drei lautet: "Alle Häuser werden Bühne" (Forum Stadtpark, Schauspielhaus, Casineum).

Eine Herausforderung: Mit Blick auf diese Regale arbeiten, ohne sich von den vielen sehenswerten DVDs ablenken zu lassen. - © ÖKA / Iris Fink
Eine Herausforderung: Mit Blick auf diese Regale arbeiten, ohne sich von den vielen sehenswerten DVDs ablenken zu lassen. - © ÖKA / Iris Fink

Für Herbst ist dann eine Jubiläumsschrift geplant, und der dritte Band der "Österreichischen Kabarettgeschichte" (zu den Jahren 1970 bis 2000) soll erscheinen. Seit Beginn des Jubiläumsjahres 2021 hat das Kabarettarchiv in seiner losen Online-Reihe - eine spätere Buchpublikation ist angedacht - bereits Texte von Marion Dimali, Viktor Gernot, der IG Kabarett, Katharina Pichler, Hans Veigl, Maria Piok, Christine Teichmann, Didi Sommer und Gerald Fleischhacker veröffentlicht.

Alte Schätze, für die man erst einmal ein Abspielgerät suchen muss. - © ÖKA / Iris Fink
Alte Schätze, für die man erst einmal ein Abspielgerät suchen muss. - © ÖKA / Iris Fink

Einmal Provinz und zurück

Das Österreichische Kabarettarchiv stand übrigens in seiner 20-jährigen Geschichte schon zweimal vor dem Aus: 2004 hatte die Stadt Graz die Subventionen komplett gestrichen, damals rettete es die Gemeinde Straden in der Südoststeiermark, die neue Räumlichkeiten samt Ausstellungsmöglichkeit anbot. Doch nach einigen Jahren drohte dem Archiv auch in Straden das Ende. Es musste aus den Räumen wieder ausziehen - und übersiedelte im Jänner 2011 aus der Provinz wieder zurück in die Landeshauptstadt. Seit Februar 2012 ist es nun in der Grazer Elisabethstraße 30 daheim.